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DIE WIEDERKUNFT CHRISTI – Teil 1

DIE WIEDERKUNFT CHRISTI [xii]*

Mai 1947

Jahr um Jahr habe ich euch (und allen, die hören wollen) eine Botschaft geschrieben, die oft prophetisch war, aber immer in Beziehung stand zur fundamentalen geistigen Einheit zwischen Osten und Westen, zwischen Buddha und Christus; und diese Botschaften betonten übereinstimmend die sich jetzt bietende geistige Gelegenheit. Ich habe diese Botschaften mit grosser Sorgfalt vorbereitet, und wenn ihr sie richtig und mit Verständnis gelesen habt, ergeben sie zusammen ein Bild vom geistigen Leben der Welt. Dieses Bild umfasst die erkennbare Vergangenheit, zeigt uns die Gegenwart, und weist auf eine zukünftige geistige Entfaltung hin, [592] die alles bisher Bekannte übertrifft, weil sie seit jeher auf der Wirklichkeit, auf der Tatsache des immanenten Gottes beruht.

Der jenseitige Gott, grösser, erhabener und mehr umfassend als die von Ihm geschaffene Welt, wird überall und allgemein anerkannt und als solcher in der ganzen Welt empfunden. Alle Glaubenslehren können mit Sri Krishna (wenn er als Gott, der Schöpfer, spricht) sagen: «Nachdem ich das ganze Universum mit einem Bruchteil von mir durchdrungen habe, verbleibe ICH.» Dieser transzendente Gott hat das religiöse Denken von Millionen einfacher und geistig gesinnter Menschen all die Jahrhunderte hindurch beherrscht, seit der Zeit, da die Menschheit anfing, näher zum Göttlichen vorzudringen.

Langsam dämmert heute im erwachenden Bewusstsein der Menschheit die gleichlaufende grosse Wahrheit vom immanenten (innewohnenden) Gott auf, der in göttlicher Art alle Formen durchdringt, alle Naturreiche von innen her bedingt, der die innewohnende Göttlichkeit in menschlichen Wesen zum Ausdruck bringt und vor zweitausend Jahren das Wesen dieser innewohnenden Göttlichkeit in der Person Christi offenkundig machte. Als Frucht dieser sich entfaltenden göttlichen Gegenwart tritt heute überall in das Denken der Menschen eine neue Vorstellung: «Jene des Christus in uns, als unsere Hoffnung und Herrlichkeit.» (Kolosser 1, 27). Es mehrt und entfaltet sich der Glaube, dass Christus in uns ist, wie er im Meister Jesus war, und dieser Glaube wird die Dinge dieser Welt und die ganze menschliche Einstellung dem Leben gegenüber ändern.

Das Wunder jenes Lebens vor zweitausend Jahren ist noch immer unter uns lebendig und hat nichts von seiner Unmittelbarkeit verloren; es bleibt für immer eine Inspiration, eine Hoffnung, eine Ermutigung und einleuchtendes Vorbild. Die Liebe, die Er bezeugte, hält noch immer die denkende Welt in Bann, wenn auch verhältnismässig wenige wirklich versucht haben, die gleiche Qualität der Liebe durch die Tat zu beweisen, wie er es tat, eine Liebe, die unfehlbar zum Dienst an der Welt, zum vollständigen Vergessen unseres Selbstes und zu einem Leben voll strahlender magnetischer Kraft führt. Die wenigen Worte, die er sprach, waren einfach, und alle Menschen können diese verstehen; aber ihre wahre Bedeutung ging seit der Zeit, als Christus lebte und uns - scheinbar - verliess, grösstenteils verloren in den verworrenen Gesetzesvorschriften und Auseinandersetzungen des Apostels Paulus sowie in den langatmigen Wortgefechten der theologischen Kommentatoren.

Doch heute ist Christus der Menschheit näher als in allen früheren [593] Zeiten der menschlichen Geschichte; er ist näher, als es der Jünger in heissestem Sehnen und Hoffen erwartet, und er kann uns noch viel näherkommen, wenn das hier Gesagte recht verstanden und allen Menschen zur Kenntnis gebracht wird. Denn Christus gehört der ganzen Menschheit, nicht allein den Kirchen und Glaubensbekenntnissen in der Welt.

An jenem Hohen Ort auf Erden, wo er seine Wohnstätte hat, sind heute alle seine grossen Jünger um ihn versammelt, die Meister der Weisheit, und alle jene befreiten Söhne Gottes, die im Lauf der Jahrhunderte aus dem Dunkel in das Licht, aus der Unwirklichkeit in die Wirklichkeit, aus dem Tod in die Unsterblichkeit gegangen sind. Sie stehen bereit, seine Gebote auszuführen und ihm, dem Meister aller Meister und Lehrer der Engel und Menschen, zu gehorchen. Dort warten - unter seiner Führung - die edelsten Vertreter aller Weltreligionen, um allen denen, die heute im Wirbelstrom der Weltereignisse kämpfen und die Weltkrise zu lösen suchen, zu zeigen und zu offenbaren, dass sie nicht allein stehen. «Gott in der Höhe» wirkt durch Christus und die geistige Hierarchie, um die Not auf Erden zu lindern; und «Gott im Herzen aller Menschen» steht in dieser Zeit vor bestimmten, erstaunlichen Anerkennungen.

Die grosse apostolische Nachfolge derer, die Gott kennen, bereitet sich heute für eine erneute wirksame Tätigkeit vor; es ist die Reihe jener, die auf Erden gelebt, die Tatsache des jenseitigen Gottes angenommen, die Wirklichkeit des Gottes im Innern entdeckt und zu Lebzeiten die göttlichen Eigenschaften des Christuslebens anschaulich dargestellt haben; sie haben auf Erden gelebt, wie er es tat (und noch immer tut), und sind für uns «aus der Sichtbarkeit entrückt, um uns ein Beispiel zu geben, auf dass wir seinen - und ihren - Fussstapfen folgen sollten». Auch wir werden einmal zu dieser grossen Nachfolge gehören.

Vielleicht wundert ihr euch, dass ich heute, am Festtag Buddhas, über seinen grossen Bruder Christus schreibe. Ich tue es mit Vorbedacht, denn die Augen aller geistig Wissenden sind auf ihn gerichtet. Buddha selbst steht an Christi Seite in demütiger Erkenntnis der göttlichen Aufgabe, vor deren Ausführung er steht; die Vollendung dieser Aufgabe steht unmittelbar bevor. Um seine Pläne wissen alle jene, die im Reich Gottes wirksam tätig sind, aber auch alle jene grossen geistigen Wesen, die da in des «Vaters Haus» leben [594] und wohnen, «im Zentrum, wo der Wille Gottes thront», sind gerüstet und organisiert, um ihm in seinem Werk beizustehen. Die geistige Linie der Nachfolge, vom Thron des «Alten der Tage» herab bis zum bescheidensten Jünger (in der Schar der grossen Gefolgschaft Christi), konzentriert sich heute auf die Aufgabe, der Menschheit zu helfen.

Der grosse Augenblick, auf den er so geduldig gewartet hat, ist fast da; «das Ende des Zeitalters», das er meinte, als er zu einer kleinen Gruppe seiner Jünger sagte: «Sehet, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Zeit», ist nun gekommen. Heute steht er wartend da und weiss, dass seine Stunde gekommen ist, in der er «die Frucht seiner Seelenqualen in Fülle ernten wird» (Jesaja 53, 11).

In der gesamten geistigen Nachfolge der Söhne Gottes sieht und spürt man nichts anderes als Erwartung und Vorbereitung. Von des Vaters Haus (der «Stätte, wo man den Willen Gottes kennt», oder Shamballa in der Sprache der Esoteriker) ging die Parole aus: «Die Stunde hat geschlagen!» Aus Gottes Reich, wo Christus herrscht, hallte die Antwort wider: «Vater, dein Wille geschehe.» Aus der Tiefe unserer ringenden, irregeführten, unglücklichen Welt kommt dauernd der Notruf: «Möge Christus zur Erde wiederkehren!» Die drei grossen geistigen Zentren, des Vaters Haus, das Reich Gottes und die erwachende Menschheit, haben gemeinsam dasselbe Ziel, dieselbe Idee und die gleiche Erwartung.

Ich schreibe hier nicht im Geist eines Fanatikers oder Adventisten; ich spreche auch nicht als spekulativer Theologe oder als Vertreter einer einseitigen religiösen Auffassung, die aus Wunschgedanken entspringt. Ich rede offen, weil es viele schon wissen, dass die Zeit reif ist, und dass der Ruf der einfachen, gläubigen Herzen bis zur höchsten geistigen Sphäre vorgedrungen ist und Energien und Kraftströme in Bewegung gesetzt hat, die jetzt nicht mehr aufzuhalten sind. Der Notruf einer gequälten Menschheit hat an Umfang und Stärke derart zugenommen, dass er - im Verein mit der Weisheit und Erfahrung der geistigen Hierarchie - im Hause des Vaters gewisse Tätigkeiten ausgelöst hat. Diese werden die Herrlichkeit Gottes dartun, den göttlichen Willen zum Guten in menschlichen guten Willen verwandeln und der Erde den Frieden bringen.

[595]

Es wird nun ein neues Kapitel in dem grossen Buch vom «Leben im Geist» geschrieben werden, da ein neuer Grad von Bewusstseins-Erweiterung unmittelbar bevorsteht. Die Menschen können nun einen neuen Beweis erleben, dass Gott ihnen Aufmerksamkeit zollt, und die Enthüllung der erwarteten Wiederkunft wird die Genauigkeit des Bibelwortes bestätigen: «Jedes Auge wird Ihn sehen» (Offenbarung. 1, 7). Das Vorhandensein einer lebendigen Religion oder die geistige Geschichte der Menschheit kann für uns in einer Reihe von Erkenntnissen zusammengefasst werden: Im Erkennen derer, die im Lauf der Zeiten die apostolische Nachfolge gebildet haben; sie fand ihren Höhepunkt in den grossen Religionslehrern, die seit 700 v. Chr. unter uns erschienen und die grossen modernen Weltreligionen begründeten, allen voran Christus selbst, der den innewohnenden Gott vollendet verkörperte und zugleich Gottes im Weltall bewusst war: Im Erkennen jener höheren geistigen Auffassungen von Liebe, Leben und deren Wechselbeziehung, welche Begriffe schon immer im Hintergrund menschlichen Denkens vorhanden waren und nunmehr auf dem Punkt angelangt sind, wo sie im tätigen Leben ihren rechten Ausdruck finden können: In der Erkenntnis, dass in Wahrheit alle Menschen Brüder sind, eine Bruderschaft, die in dem einen göttlichen Leben begründet ist, die durch die eine Seele wirkt und in der einen Menschheit ihren Ausdruck findet: In der Erkenntnis also, dass zwischen Gottes Leben in der Welt und der Menschheit Wechselbeziehungen bestehen. Diese geistige Einstellung beginnt sich nun durchzusetzen, und sie wird zu rechten menschlichen Beziehungen führen und schliesslich den Weltfrieden bringen.

Jetzt ist noch eine weitere Erkenntnis möglich und verbreitet sich überallhin, nämlich die Erkenntnis, dass die Wiederkunft Christi nahe bevorsteht (wenn eine solche Aussage über jemanden, der uns nie verlassen hat, überhaupt richtig sein kann), und dass dieses Ereignis neue geistige Gelegenheiten mit sich bringen wird.

Die Grundlage dieser Erkenntnis ruht in der tiefverwurzelten, dem menschlichen Bewusstsein eingeborenen Überzeugung, dass irgendein grosser Lehrer, Retter, Prophet, Gesetzgeber oder Repräsentant Gottes aus der Welt der geistigen Wirklichkeiten erscheinen muss, eben weil die Menschheit ihn dringend braucht und verlangt. Wenn in den vergangenen Zeiten der Menschen Ruf um Hilfe laut wurde, dann kam auch immer in der Stunde der grössten Not ein Gottessohn zu uns, unter verschiedenen Namen. Dann kam Christus und verliess uns - scheinbar - wieder; sein Werk blieb unvollendet, denn das, was er in seiner Vision für die Menschheit erreichen wollte, hatte sich noch nicht ganz erfüllt. Zweitausend [596] Jahre lang schien es, als ob seine ganze Arbeit gehemmt, vereitelt und nutzlos wäre, denn das Wachstum der Kirchen in den Jahrhunderten ist keine Garantie für den von ihm erstrebten geistigen Erfolg. Um den Beweis zu erbringen, dass seine Weltmission erfolgreich fortgesetzt wurde, bedurfte es mehr als theologischer Worterklärungen und des zahlenmässigen Anwachsens der Anhänger der grossen Weltreligionen (einschliesslich Christentum und Buddhismus). All dies schien unmöglich, da es drei Bedingungen voraussetzte, die ein Prüfstein für die Fortsetzung seines Werkes sind; heute sind diese drei Bedingungen erwiesene Tatsachen.

Erstens: Ein Zustand auf der ganzen Erde, der sich infolge der Selbstsucht der Menschen derart katastrophal erwies, dass die Menschheit gezwungen wurde, Ursache und Ursprung dieses Unheils zu erkennen. Zweitens: Ein geistiges Erwachen, das aus den tiefsten Tiefen menschlichen Bewusstseins aufsteigen würde, und das ist heute, als Folge des Weltkrieges (1914-1945), der Fall. Drittens: Ein immer stärker werdender Ruf, Gebet oder Flehen zum höchsten geistigen Zentrum, ganz gleich, welchen Namen man diesem geben mag.

Diese drei Bedingungen sind heute erfüllt, und die Menschheit steht wiederum vor einer günstigen Gelegenheit. Das Unglück, das über die Menschen hereinbrach, ist weltenweit; keiner ist ihm entronnen, und jedermann wurde davon in irgendeiner Art betroffen, sei es körperlich, wirtschaftlich oder sozial. Allerorten ist das geistige Erwachen innerhalb und ausserhalb der Glaubensbekenntnisse (grösstenteils jedoch ausserhalb) allgemein und vollständig, und die Hinwendung zu Gott ist unverkennbar. Schliesslich haben diese beiden Ursachen einen Bittruf in der Menschheit hervorgebracht, wie nie zuvor; dieser flehentliche Aufschrei ist klarer, reiner und selbstloser als zu irgendeiner anderen Zeit in der menschlichen Geschichte, weil er aus einem klaren Denken und aus gemeinsamer Not entspringt. Allüberall ist in den Herzen der Menschen wahre Religion wieder auferstanden; diese Hoffnung auf Gott und dessen Intervention mag vielleicht die Menschen wieder in die Kirchen und zum Glauben bringen, sie wird sie aber ganz bestimmt wieder zu Gott zurückführen.

Gewiss bezeichnen wir mit Religion das inbrünstige Flehen zu Gott, und dieser Anruf findet Gehör und Widerhall [597] im Geiste Gottes. Dieser Geist Gottes wirkt sich im Herzen eines jeden Menschen und in allen Gruppen aus und beeinflusst auch die Tätigkeit der geistigen Hierarchie dieses Planeten; Gottes Geist drängt Christum, das Oberhaupt der Hierarchie zur Tat, und dies wird dazu führen, dass er und seine Jünger wiederkommen.

Die Idee einer Wiederkunft Christi ist allgemein bekannt; in der Lehre der meisten Weltreligionen findet man die Vorstellung, dass ein Sohn Gottes den Ruf einer bedrängten Menschheit erhört und zur Erde wiederkommt. Seitdem er scheinbar von uns ging und sich in eine Sphäre zurückzog, wohin ihn die Gläubigen versetzten, haben sich kleinere Gruppen dieser Leute eingeredet, dass er an einem bestimmten Tag wiederkommen werde; ihre Prophezeiungen und Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Er kam nicht. Solche Leute wurden von der Menge verlacht und von den Gebildeten getadelt, denn ihre Augen haben ihn nicht gesehen, und es gab auch kein greifbares Anzeichen seiner Gegenwart. Heute wissen es Tausende, dass er kommen wird, und dass die Pläne für sein Kommen bereits in die Wege geleitet sind; aber Tag und Stunde sind nicht festgesetzt. Die Zeit ist nur zweien oder dreien bekannt, denn «zu solch einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet, wird er kommen» (Matth. 24, 44).

die Tatsache, dass er nicht wiederkommen kann, weil er allezeit hier auf Erden weilte und über das geistige Schicksal der Menschheit wachte; er hat uns niemals verlassen, sondern leitete in einem physischen Körper und in geschützter Verborgenheit (nicht aber versteckt) die Angelegenheiten der geistigen Hierarchie, seiner Jünger und Mithelfer, die sich zu gemeinsamem Dienst für die Erde verpflichtet haben. Er kann also nur wiedererscheinen. Es ist eine spirituelle Tatsache, dass jene, die aus Grabesdunkel in die Fülle des auferstandenen Lebens hinübergingen, gesehen werden können und gleichzeitig der Sichtbarkeit ihrer Gläubigen entzogen sind. Sehen und Erkennen sind zwei sehr verschiedene Dinge, und eine der grossen menschlichen Erkenntnisse wird in naher Zukunft die sein, dass er allezeit unter uns weilte, und dass er die Nutzniessung und die Besonderheiten der Zivilisation mit all ihren Errungenschaften mit uns teilte.

[598]

Die ersten Anzeichen  für sein und seiner Jünger Nahen können schon jetzt von jenen wahrgenommen werden, welche die Zeichen der Zeit bemerken und richtig deuten können. Ein solches Anzeichen ist z.B. der geistige Zusammenschluss all derer, die ihre Mitmenschen lieben. Dieses Zueinanderfinden ist in Wirklichkeit die Mobilisierung der irdischen Armee des Herrn der Welt, einer Armee, die keine anderen Waffen hat als die der Liebe, der rechten Rede und der rechten menschlichen Beziehungen. Unter den Nachwehen des Krieges hat diese unbekannte Organisation bewundernswert schnelle Fortschritte gemacht, weil die Menschheit des Hasses und der ewigen Zwistigkeiten wahrhaft überdrüssig ist.

Der Generalstab Christi ist bereits in Gestalt der Neuen Gruppe der Weltdiener wirksam tätig; sie bildet eine machtvolle Armee von Vorläufern, wie es immer der Fall war, bevor eine überragende Gestalt auf die Weltenbühne trat. Ihr Pionierwerk und Einfluss ist heute schon überall zu sehen und zu merken, und nichts kann ihre Errungenschaften zunichte machen. Seit 1935 wurde ferner die geistige und organisierende Wirkung einer laut gesprochenen Invokation erprobt; die Energien dieses «Rufes zum Himmel» wurden in jene Kanäle geleitet, die von der Erde bis zu jener Hohen Stätte reichen, wo Christus weilt. Von dort aus werden diese Energien zu noch höheren Sphären weitergeleitet, von wo aus sich die Aufmerksamkeit des Herrn der Welt, des «Alten der Tage», des Vaters aller sowie die schöpferischen Energien und grossen Wesenheiten, die dort bei Ihm sind, auf die Menschheit konzentrieren und jene Schritte unternommen werden können, die schneller zur Verwirklichung der Absichten Gottes führen.

Zum ersten Male in der Geschichte der Menschheit ist das Verlangen der Menschen so machtvoll und mit der göttlichen Führung in Raum und Zeit so übereinstimmend, dass das Endergebnis unausbleiblich gesichert ist. Der erwartete geistige Repräsentant muss kommen; und dieses Mal wird er nicht allein, sondern in Begleitung jener kommen, deren Lebensart und Wort sich die Anerkennung in jedem Bereich menschlichen Denkens erringen werden. Die symbolischen Prophezeiungen, die man in allen Hl. Schriften über dieses bevorstehende Ereignis findet, werden deren Wahrheit vollauf bestätigen, wenngleich deren Symbolik einer Neuinterpretation bedarf. Begleitumstände und Begebenheiten werden nicht unbedingt genauso sein, wie sie von den Schriften anscheinend dargestellt sind. Ein Beispiel: [599] Christus wird zweifelsohne «auf den Wolken des Himmels» kommen (Matth. 26, 64), wie es die christlichen Schriften ausdrücken. Aber ist denn das besonders interessant, wo doch heute zu jeder Tages- und Nachtstunde Millionen von Menschen in Wolken kommen und gehen? Ich erwähne diese Prophezeiung als eine der bezeichnendsten, mit der ein jeder vertraut ist; in unserer modernen Zivilisation besagt sie doch wenig. Wirklich wichtig ist die Tatsache, dass er kommen wird.

Das Wesak-Fest ist seit Jahrhunderten in dem wohlbekannten Tal der Himalaya-Berge gefeiert worden (wenn es die Gläubigen doch annehmen wollten!), und zwar aus folgenden Gründen:

1. Es soll die Tatsache erhärten, dass Christus in einer physischen Hülle unter uns weilt, seit er uns - angeblich - verliess.

2. TEs soll den Beweis erbringen, dass auf der physischen Ebene der Weg zu Gott sowohl im Osten als auch im Westen tatsächlich der gleiche ist; beide Menschheitslehrer (Christus und Buddha) sind dann anwesend.

3. Es soll ein Sammelplatz und Treffpunkt all derer sein, die alljährlich - als sichtbares Symbol der Zusammengehörigkeit - die Verbundenheit zwischen des Vaters Haus, dem Reich Gottes und der Menschheit repräsentieren.

4. Es soll augenfällig die Eigenart des Werkes Christi dartun, der - als erwählter Vermittler - der Repräsentant der geistigen Hierarchie und der Führer der Neuen Gruppe der Weltdiener ist. Durch seine Person gibt er dem Verlangen der Neuen Gruppe nach Anerkennung der wahrhaftigen Existenz des Reiches Gottes «hier und jetzt» Ausdruck.

Vielleicht eine der bedeutendsten Eröffnungen für alle, welche diese Zeilen lesen, ist die grosse Wahrheit und Tatsache, dass Christus derzeit in einem physischen Körper auf Erden lebt, und dass - in engster Beziehung zueinander - eine Gruppe von Jüngern und Bevollmächtigten besteht, die als Vertreter und Vermittler der Menschheit für deren Wohl arbeiten. Diese innere Beziehung tritt bei gewissen grossen geistigen Feiern in Erscheinung und umfasst nicht nur das Reich Gottes, sondern auch den Vater und des Vaters Haus. Wir haben das Osterfest, sodann das Fest Buddhas, der [600] durch seine physische Gegenwart die geistige Verbundenheit unseres Planeten zum Ausdruck bringt; sodann haben wir das Fest im Juni, das der besondere Feiertag Christi ist, an dem er als Haupt der Neuen Gruppe der Weltdiener für das Wohl aller Menschen guten Willens in allen Landen die neue Invokation spricht; dabei nimmt er die unausgesprochenen und ungeformten Bitten der grossen Massen entgegen, die sich nach einem neuen und besseren Leben sehnen. Die Menschen brauchen im täglichen Leben Liebe, rechte menschliche Beziehungen und ein Verständnis für den göttlichen Plan, der allem zugrunde liegt.

Diese physischen Ereignisse zählen und sind von wesentlicher Bedeutung, nicht aber die unbestimmten Hoffnungen und Versprechungen theologischer Bekenntnisse. In dieser, dem Höhepunkt zueilenden Zeit möchte ich eure [*M6] Aufmerksamkeit darauf lenken, dass auf unserem Planeten solch anerkannt grosse geistige Wesenheiten, wie der Herr der Welt, der Alte der Tage, die Sieben Geister vor dem Throne Gottes, Buddha, der geistige Führer des Ostens, und Christus, der geistige Führer des Westens, physisch gegenwärtig sind. Die unklare Vorstellung von Ihrer Existenz, die träumerische Spekulationen über Ihr Wirken und Ihr Interesse am menschlichen Wohlergehen und die Wunschgedanken von Gläubigen und Ungläubigen, die noch nicht überzeugt, doch voller Hoffnung sind, werden bald einem sicheren Wissen, sehenden Erkennen und prüfbaren Zeichen eines Werkplanes Platz machen; man wird die Neuordnung des politischen, religiösen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens durch Menschen von aussergewöhnlichem Einfluss und Format erleben.

All das wird nicht etwa als Ergebnis irgendeiner Proklamation oder irgendeines erstaunlichen Weltereignisses eintreten, das die Menschen zu dem Ausruf zwingt: «Wahrlich, er ist da! Seht da die Zeichen seiner Göttlichkeit!» Das würde nur Widerspruch und Gelächter, Widerstand oder fanatische Leichtgläubigkeit auslösen. Der Umschwung wird kommen als die Erkenntnis, welche Macht im Führertum liegt, ferner durch dynamische, logische Veränderungen in den Weltangelegenheiten sowie durch Aktionen, die von den Völkern aus den Tiefen des eigenen Bewusstseins heraus unternommen werden.

Vor vielen Jahren deutete ich an, dass Christus in dreierlei Hinsicht kommen würde, oder genauer gesagt, dass die Tatsache seiner Gegenwart an drei deutlichen Phasen erkannt werden könne.

Ich sagte damals, dass die erste Massnahme der Hierarchie die sein werde, das geistige Bewusstsein im Menschen zu beleben und [601] anzufachen, das geistige Verlangen der Menschheit auf breiter Grundlage wachzurufen und in weltweitem Ausmass das Christusbewusstsein im Menschenherzen zu nähren. Das hat sich bereits erfüllt und die Ergebnisse sind höchst wirksam. Die lauten Forderungen der Menschen guten Willens und der Wohlfahrtseinrichtungen sowie die eindringlichen Rufe der Menschenfreunde, die sich für internationale Zusammenarbeit, für die Linderung von Not und für die Schaffung rechter menschlicher Beziehungen einsetzen alle diese Faktoren sind ein unleugbarer Ausdruck dieser ersten Phase. Dieser Abschnitt des Vorbereitungswerkes hat nun ein Stadium erreicht, wo nichts mehr den Fortgang aufhalten oder verlangsamen kann. Obwohl es nicht so scheint, hat das Hervortreten des Christusbewusstseins doch gute Fortschritte gemacht, und was allenfalls als Gegenteil erscheinen mag, ist auf lange Sicht belanglos und von vorübergehender Natur.

Die zweite Massnahme der Hierarchie, so sagte ich euch, würde die sein, dass sie das Denken aller erleuchteten Menschen mit Ideen beeindruckt, die neue Wahrheiten verkörpern, dass sie - als Leitmotive des menschlichen Lebens - neue Vorstellungen «herabströmen» lässt (wenn ich so sagen darf), und dass Christus selbst alle Weltjünger und die Neue Gruppe der Weltdiener überschatten wird. Diese von der Hierarchie geplante Massnahme macht ebenfalls gute Fortschritte; überall und in jedem Lebensbereich verkünden Männer und Frauen diese neuen Wahrheiten, die in Zukunft die menschliche Lebensweise leiten sollen; sie errichten jene neuen Organisationen, Bewegungen und Gruppen - im grossen und kleinen -, welche die grosse Masse der Menschen mit den tatsächlichen Bedürfnissen vertraut machen und ihr zeigen, wie man Abhilfe schaffen kann. Ihre Herzenswärme und liebevolle Hilfsbereitschaft treibt sie dazu an; ohne sich eine bestimmte Formel zurechtzulegen, trägt ihr Wirken nichtsdestoweniger dazu bei, das Reich Gottes auf Erden sichtbar werden zu lassen. Angesichts der vielen und vielfältigen Organisationen, Bücher und Vorträge kann man diese [602] Tatsache unmöglich in Abrede stellen.

Drittens sagte ich euch, dass Christus persönlich kommen mag, um wieder unter Menschen zu wandeln, wie er es vordem tat. Dies hat sich noch nicht verwirklicht, aber es werden Pläne ausgearbeitet, die ihm das ermöglichen werden. Diese Pläne sehen nicht die Geburt eines zierlichen Kindes in einem entzückenden Heim auf Erden vor; sie werden auch keine sentimentalen Behauptungen und keine Glaubensseligkeit in gutgläubigen und einfältigen Seelen wachrufen, wie es heute so oft der Fall ist; und es wird auch nicht jemand erscheinen und sagen: «Dieser ist der Christus. Er ist da und dort.» Immerhin zeugt das Ausstreuen solcher Märchen und Behauptungen, so sehr sie als solche unerwünscht, irreführend und unangebracht sind, von der Erwartungsbereitschaft seiner baldigen Wiederkunft; denn der Glaube an sein Kommen ist tief im menschlichen Bewusstsein verwurzelt. In welcher Form er kommen und auf welche Weise er auftreten wird, ist noch nicht festgelegt; der genaue Zeitpunkt ist noch nicht da, und die Art seines Erscheinens ist noch nicht entschieden worden. Die Art und Tatsache der beiden vorhergehenden und vorbereitenden Massnahmen, die nach seiner Anweisung von der Hierarchie getroffen worden waren, sind die Bürgschaft für sein Kommen und dafür, dass bei seinem Kommen die Menschheit vorbereitet und gerüstet ist.

Lasst uns bestimmte Aspekte oder Ausschnitte aus seinem Werk zusammenfassen, das er vor zweitausend Jahren begann, denn dies gibt uns den Schlüssel für sein zukünftiges Werk. Manches davon ist euch wohlbekannt, da es von den Weltreligionen und besonders von den Lehrern des christlichen Glaubens nachdrücklich betont wurde. Sie alle haben sein Werk so schwer verständlich gemacht; die unangemessene Betonung seiner Göttlichkeit (was er selber niemals getan hatte) erweckte den Anschein, als ob nur er allein und sonst niemand dieselben Dinge tun könnte. Die Theologen haben vergessen, dass er selbst gesagt hat: «Wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubt, der wird die Werke, die ich tue, auch vollbringen, ja er wird noch grössere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.» (Joh. 14, 12) Hier deutet er an, dass sein Eingehen in des Vaters Haus einen solchen Zustrom geistiger Kräfte, eine solche Innenschau und schöpferische Vollendung für die Menschen zur Folge haben werde, dass ihre Taten seine übertreffen würden. Da seine Lehre entstellt wurde und ihre enge Beziehung zu den [603] Menschen verlor, haben wir diese «grösseren Dinge» noch nicht vollbracht. Doch eines Tages werden wir sie sicherlich tun, und in gewisser Hinsicht haben wir sie bereits vollbracht. Lasst mich einige von den Dingen aufzählen, die er tat, und die wir auch tun können, wobei er uns helfen wird.

1. Zum ersten Male in der menschlichen Geschichte verkörperte sich die Liebe Gottes in einem Menschen, und Christus leitete das Zeitalter der Liebe ein. Diese Ausdrucksverleihung göttlicher Liebe ist im Anfangsstadium ihrer Entfaltung; die Welt ist noch nicht von Liebe «erfüllt», und es gibt nur sehr wenige Menschen, welche dieses Wort in seiner wahren Bedeutung erfasst haben. Doch wenn sich - um symbolisch zu sprechen - die Vereinten Nationen zu einem tatsächlichen und wirklichen Machtfaktor entfaltet haben werden, dann wird das Wohlergehen dieser Welt gesichert sein. Was ist denn dieses Wohl? Doch nur werktätige Liebe. Was ist denn internationale Zusammenarbeit anders als Liebe in weltweitem Massstab? Das sind die Dinge, die Gott in Seiner Liebe durch Christus zum Ausdruck brachte, und Dinge, an deren Verwirklichung wir heute arbeiten. Wir versuchen, dies auf breiter Grundlage zu tun trotz Widerstände, die nur zeitweiligen Erfolg haben können, da der im Menschen erwachte Geist eine grosse Macht besitzt. Das sind die Dinge, welche die Hierarchie in ihrem bereits erfolgreichen Vorgehen unterstützt und weiter unterstützen wird.

2. Christus lehrte uns auch, dass das Reich Gottes auf Erden sei, und ermahnte uns, zuerst dieses Reich zu suchen und um dessentwillen alle anderen Dinge als zweitrangig anzusehen. Dieses Reich ist immer bei uns gewesen und besteht aus all denen, die durch die Jahrhunderte geistige Ziele angestrebt und sich von den Begrenzungen des physischen Körpers, der Herrschaft der Gefühle und vom widersetzlichen Denken frei gemacht haben. Bürger dieses Reiches sind jene, die heute in einem physischen Körper leben (was den meisten Menschen unbekannt ist), für das Wohl der Menschheit arbeiten, und deren praktische Arbeitsmethode darin besteht, Liebe und nicht Gefühle zum Ausdruck zu bringen und anzuwenden; sie bilden jene grosse Körperschaft «Erleuchteter Denker», die das Schicksal der Welt lenken. Das Reich Gottes wird nicht erst dann auf die Erde kommen, wenn die Menschen gut genug dafür sind; es existiert heute schon, ist äusserst wirksam tätig und verlangt Anerkennung. Es ist eine organisierte Körperschaft, die schon jetzt bei denen Anerkennung findet, die [604] «zuerst» das Reich Gottes suchen und dabei die Entdeckung machen, dass das gesuchte Reich Gottes schon da ist. Vielen ist bekannt, dass Christus und seine Jünger leibhaftig auf Erden weilen; das Reich, das von Christus und den Seinen regiert wird, und auch dessen Gesetze und Wirkungsweisen sind vielen Menschen seit langer Zeit wohlvertraut.

Christus ist der Welt-Heiler und Welt-Erlöser. Er arbeitet und wirkt, weil er die Seele der wirklichen Welt ist und diese Seele zum Ausdruck bringt. Wie vor zweitausend Jahren in Palästina, so wirkt er auch heute durch Gruppen. Damals waren es die drei geliebten Jünger, die zwölf Apostel, die erwählten Siebzig und die interessierten Fünfhundert. . . . Heute wirkt er durch seine Meister und deren Gruppen und verstärkt damit ganz wesentlich seine Bemühungen. Er kann und will durch alle Gruppen wirken, vorausgesetzt, dass diese sich für ein planvolles Dienen, für die Verbreitung von Liebe eignen, und dass sie sich mit der grossen Stärke der inneren Gruppen bewusst in Einklang setzen.

Alle jene Gruppen, die immer die leibliche Gegenwart Christi proklamierten, haben mit der dogmatischen Betonung unwesentlicher Einzelheiten und durch lächerliche Behauptungen die Lehre so entstellt, dass sie nur ein bescheidenes Erfassen der zugrunde liegenden Wahrheit vermitteln konnten; überdies schilderten sie das Reich Gottes in wenig anziehender Art und Weise. Gewiss existiert dieses Königreich, aber es ist keine von unintelligenten Fanatikern bevölkerte Stätte, wo strenge Zucht geübt wird und goldene Harfen erklingen, sondern ein grosses Feld des Dienstes, wo jeder vollen Spielraum hat, seine gottgegebene Natur im Dienst an der Menschheit zu betätigen.

3. Bei der Verklärung offenbarte Christus die Herrlichkeit, die allen Menschen innewohnt. Hier ist dargetan, wie sich die dreifache niedere Natur - Körper, Gefühl und Verstand vor der geoffenbarten Herrlichkeit niederwirft und demütigt. In diesem Augenblick, da der immanente Christus inkarniert und die Menschheit durch die drei Apostel repräsentiert war, ertönte als Bestätigung der geoffenbarten Grösse und Sohnschaft des verklärten Christus eine Stimme aus des Vaters Haus. Auf dieser eingeborenen Göttlichkeit und anerkannten Sohnschaft gründet sich die Brüderschaft aller Menschen: das eine Leben, die eine Herrlichkeit (die geoffenbart werden soll) und die eine Beziehung zu Gott. Die Herrlichkeit [605] im Menschen und seine ursprüngliche innere Beziehung zu anderen Menschen sind bereits heute in grossem Massstab eine Tatsache im menschlichen Bewusstsein, selbst wenn wir die Unterstellung seiner göttlichen Qualitäten ausser acht lassen. Obwohl diese Merkmale bis jetzt noch recht kläglich geblieben sind und alle Behauptungen von der Göttlichkeit zu widerlegen scheinen, sein Triumph über die Natur ist eines der Wunder, die der Mensch bereits vollbracht hat. Die ruhmvollen Errungenschaften der Wissenschaft und die grossartigen Beweise schöpferischer Kunst, alter und neuer, dulden keinen Zweifel an der Göttlichkeit des Menschen. Hier also sind die «grösseren Dinge», von denen Christus sprach, und hier ist der Beweis, dass der Christus im Menschenherzen triumphiert.

Warum man von diesem Triumph des Christusbewusstseins immer nur in Verbindung mit Religion, Kirchgang und orthodoxem Glauben sprechen soll, das ist einer der unglaublichen Erfolge der dunklen Mächte. Um ein Bürger im Reich Gottes zu sein, braucht man durchaus keiner orthodoxen Kirche anzugehören. Die göttliche Christusnatur im Menschenherzen kann auf ganz verschiedenen Gebieten zum Ausdruck kommen, wie in der Politik, Kunst, im Wirtschaftsleben, in sozialer Arbeit, in Wissenschaft und Religion. Es mag hier angebracht sein, sich daran zu erinnern, dass dem Bericht zufolge Christus (als Erwachsener) ein einziges Mal den Tempel der Juden besuchte und einen grossen Aufruhr hervorrief. Die Menschheit schreitet von einer glanzvollen Errungenschaft zur anderen fort, und das ist in dem langen Panorama der Geschichte eine eindrucksvolle Beobachtung. Diese Grösse und Herrlichkeit ist heutzutage in jedem Bereich menschlicher Tätigkeit zu entdecken, und die Verklärung derer, die auf dem Höhepunkt menschlicher Zivilisation angekommen sind, steht nahe bevor.

4. . Schliesslich verankerte Christus im Triumph der Kreuzigung oder grossen Verzichtleistung (wie sie zutreffender im Osten genannt wird) erstmalig auf Erden einen zarten Faden des göttlichen Willens, der aus des Vaters Haus ausging, sodann in die verständnisvolle Obhut des Reiches Gottes übergeben und schliesslich durch Christi Vermittlung der Menschheit zur Kenntnis gebracht wurde. Durch die Mitwirkung gewisser grosser Söhne Gottes wurden die drei göttlichen Aspekte oder die Merkmale göttlicher Dreieinigkeit - Wille, Liebe [606] und Intelligenz - zu einem Teil menschlichen Denkens und Strebens. Die Christen vergessen leicht, dass Christus die Krise nicht in jenen letzten Stunden durchmachte, als er am Kreuze hing, sondern im Garten von Gethsemane. Damals, im Todeskampf und naher Verzweiflung, versank sein Wille in den des Vaters, und da rief er aus: «Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe.» (Lukas 22, 42)

Damals ereignete sich in diesem stillen Garten etwas ganz Neues, das seit unvordenklichen Zeiten geplant worden war: Als Repräsentant der Menschheit verankerte oder begründete Christus des Vaters Willen auf Erden und machte es der intelligenten Menschheit möglich, diesen Willen auszuführen. Bis dahin war dieser Wille in des Vaters Haus bekannt gewesen; er wurde von der unter Christus arbeitenden geistigen Hierarchie erkannt und den Erfordernissen der Welt angepasst; so formte sich des Vaters Wille zum göttlichen Plan. Was Christus vor Hunderten von Jahren in den Stunden der Krise begründete, das macht es heute der Menschheit möglich, ihren Teil an der Durchführung des Planes beizutragen. Der Wille zum Guten in des Vaters Haus kann zum guten Willen im Reiche Gottes werden, und dieser wiederum kann von einer intelligenten Menschheit in rechte menschliche Beziehungen umgewandelt werden. So erstreckt sich nun der Faden göttlichen Willens unmittelbar vom höchsten bis zum tiefsten Punkt und kann im Verlaufe der Zeit zu einem Kabel erstarken, an dem die Menschensöhne aufsteigen können und der liebende, lebendige Geist Gottes herabsteigen kann.

I would have you forget distance, remoteness and vagueness and realise that I am talking of exact and literal happenings on our planet. I am dealing with recognitions and occurrences and with factual events which are the conscious possession of many. The Christ of history and the Christ in the human heart are planetary facts.

Wir wollen ferne, weit zurückliegende und unbestimmte Dinge beiseite lassen und uns vor Augen halten, dass wir sachlich und wahrheitsgetreu von den Ereignissen auf unserem Planeten sprechen. Wir befassen uns hier mit Erkenntnissen, Begebenheiten und tatsächlichen Ereignissen, die vielen Menschen wohlbewusst sind. Der geschichtliche Christus und der Christus im Menschenherzen sind Tatsachen auf diesem Planeten. Im Zusammenhang mit der Wiederkunft Christi gibt es einen Gesichtspunkt, der niemals erwähnt wird und auf den niemand hinweist. Es geht nämlich darum: Was wird wohl für Christus dieses Wieder-zu-den-Menschen-Kommen, diese Rückkehr ins äussere, tätige Leben bedeuten? Wie wird ihm zumute sein, wenn die Stunde seines Wiederauftretens schlägt?

[607]

Im Neuen Testament ist eine grosse Einweihung erwähnt, der wir den Namen Himmelfahrt gegeben haben. Darüber wissen wir nichts. Der Evangelienbericht gibt uns nur wenige Hinweise: Eine Bergkuppe, Zuschauer und die Versicherung Christi, das er sie nicht verlassen werde. Dann nahm ihn eine Wolke auf und entzog ihn ihren Blicken. (Apg. 1, 9) Es gab unter den Anwesenden niemanden, der mit ihm hätte weitergehen können. Ihr Bewusstsein konnte nicht bis zu jener Stätte vordringen, die er sich als Aufenthaltsort erwählt hatte. Ja, seine Worte wurden sogar falsch ausgelegt. Die Menschheit hat sein Entschwinden oder den Sinn seiner dauernden Anwesenheit (die sich den menschlichen Augen entzog) immer nur undeutlich und mit einem mystischen Gefühl erfasst. Zwei gleichfalls anwesende Gott-Kenner versicherten den Zuschauern, dass er in der gleichen Weise wiederkommen werde. Er wurde vor ihren Augen emporgehoben, und die Wolken nahmen ihn auf. Heute warten die Wolken, die unseren Planeten umgeben, darauf, ihn wieder zu enthüllen.

Er ist nun bereit, zu uns herniederzusteigen. Dieses Herunterkommen in unsere unglückliche Menschenwelt kann ihm kein verlockendes Bild zeigen. Aus der stillen Bergeinsamkeit, wo er gewartet und von wo aus er die Menschheit geleitet und über sie gewacht hat, wo er seine Jünger, Eingeweihten und die Neue Gruppe der Weltdiener geschult hat, muss er nun hervorkommen und den führenden Platz auf der Weltenbühne einnehmen, um in dem grossen Drama, das hier in Szene geht, seine Rolle zu spielen. Unser Planet ist heutzutage klein geworden, überall gibt es Radio- und Fernsehapparate, und die Nachrichtenübermittlung ist schnell; daher wird sein Auftreten im Blickpunkt aller stehen, und diese Aussicht muss bei ihm gewiss ein Schaudern auslösen, denn harte Proben und Umstellungen sowie schmerzliche und unvermeidliche Erfahrungen sind damit verbunden. Er kommt nicht als der allmächtige Gott, wie sich ihn die menschliche Unwissenheit vorstellt, sondern als Christus, der Gründer des Reiches Gottes auf Erden, um das begonnene Werk zu vollenden und unter weitaus schwierigeren Verhältnissen erneut Göttlichkeit zu bekunden.

So seltsam es klingen mag, Christus erleidet mehr Rückschläge [608] von seinen Getreuen als von den Menschen in der Aussenwelt; sein Werk wird von fortgeschrittenen Aspiranten mehr behindert als von den klugen Denkern. Nicht die Grausamkeiten der äusseren Welt machten ihm damals grosse Sorgen, sondern seine eigenen Jünger, und dazu die Front menschlicher Nöte, die noch über der ganzen Lebensrunde - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegt.

Er kommt nun, um die Fehler und falschen Auslegungen derer richtigzustellen, die es gewagt haben, seine einfachen Worte nach ihrer eigenen Unwissenheit auszulegen; und er kommt, um jene anzuerkennen, die durch ihre treuen Dienste seine Rückkehr ermöglichten. Er selbst steht vor einer bedeutsamen Prüfung, die einer grossen Einweihung vorangeht; und wenn er diese Probe bestanden und seine Aufgabe vollendet hat, wird er in eine noch höhere Position in des Vaters Haus berufen werden, oder er wird in einen weit entfernten Dienstbereich kommen, wohin ihm nur die Erhabensten folgen können. Dann wird seine jetzige Position von Dem übernommen werden, den er hierfür vorbereitet und geschult hat.

Doch bevor dies alles sich ereignen kann, muss er von neuem in die öffentliche Arena treten, in den Angelegenheiten der Welt seine Rolle spielen und Ziel und Grösse seiner Sendung dartun. Er wird um sich die von ihm erwählten Mitarbeiter und Berater scharen, Menschen aus Fleisch und Blut; es werden dies aber nicht jene von damals, aus den unkomplizierten Tagen sein, sondern jene Mitglieder unserer menschlichen Familie, die ihn heute erkennen und sich rüsten, mit ihm zusammenzuarbeiten, soweit sie dies vermögen. Es ist eine veränderte Welt, zu der er jetzt zurückzukehren beabsichtigt, denn die grosse Masse der Menschen hat sich intellektuell weiterentwickelt. Diese Tatsache macht ihm ausserordentliche Schwierigkeiten; denn wenn der Wille Gottes auf Erden intelligent ausgeführt werden soll, dann muss man an den menschlichen Verstand appellieren und nicht bloss (wie in jenen Tagen) an ein gutes Herz. Seine Hauptaufgabe besteht sicherlich darin, in allen Lebensbereichen rechte menschliche Beziehungen herzustellen. Versucht einmal, euch vorzustellen und auszudenken, welche Komplikationen und Folgerungen sich für ihn aus der übernommenen Aufgabe ergeben müssen. Ich bitte euch, die Schwierigkeiten zu bedenken, mit denen er unausbleiblich rechnen muss, und deren grösste darin liegt, dass die intellektuellen Massen nicht das Wichtige und Wesentliche betonen.

[609]

Er, der Repräsentant  der Liebe Gottes, ist nun aufgerufen, wieder in der Weltarena zu wirken, wo in den zweitausend Jahren seine frühere Botschaft unwirksam gemacht, vergessen und falsch ausgelegt wurde, und wo Hass und Separatismus die Menschen überall entzweit hat. Das bringt ihn in eine ganz fremde Atmosphäre und in eine Lage, in der er all seine göttlichen Hilfsmittel benötigen wird, um der Belastung bis zum äussersten standzuhalten. Der allgemein verbreiteten Vorstellung, dass er als triumphierender, allmächtiger und unwiderstehlicher Krieger zurückkommen werde, fehlt jede tatsächliche Grundlage. Dass er am Ende sein Volk, die Menschheit, nach Jerusalem führen wird, ist eine sichere und wohlbegründete Tatsache, aber es wird nicht eine jüdische Stadt namens Jerusalem sein, sondern «die Stätte des Friedens» (das ist der Sinn des Wortes «Jerusalem»). Eine sorgfältige Betrachtung der heutigen Weltlage und eine starke Vorstellungskraft werden dem aufrichtigen Denker klarmachen, wie erschreckend die Aufgabe ist, der er sich verschrieben hat. Aber wiederum «richtete er fest entschlossen sein Augenmerk darauf, nach Jerusalem zu ziehen» (Lukas 9, 51). Er wird wiedererscheinen und die Menschheit in eine Zivilisation und in einen Bewusstseinszustand führen, worin rechte menschliche Beziehungen und weltenweite Zusammenarbeit zum Wohl aller das universale Leitmotiv bilden werden. Durch die Neue Gruppe der Weltdiener und Menschen guten Willens will er seine Verbundenheit mit dem Willen Gottes (des Vaters Sache) derart vervollständigen, dass der ewige Wille zum Guten von der Menschheit in guten Willen und rechte menschliche Beziehungen umgewandelt werden wird. Dann wird er seine Aufgabe erfüllt haben, und es wird ihm freistehen, uns wieder zu verlassen, diesmal jedoch, um nicht mehr zu uns zurückzukehren. Er wird die Welt der Menschen in die Hände jenes grossen geistigen Dieners legen, der das neue Oberhaupt der Hierarchie, der unsichtbaren Kirche sein wird.

Es erhebt sich nun die Frage: In welcher Weise können wir von Nutzen sein? Wie können wir in dieser Vorbereitungszeit helfen?

[610]

Was die Mitglieder der geistigen Hierarchie leisten, ist tatsächlich viel. Alle die Jünger, die mit den Meistern der Weisheit (oder älteren Jüngern Christi, wenn dieser Ausdruck vorgezogen wird) in bewusster Verbindung stehen, arbeiten Tag und Nacht, um das nötige Vertrauen, rechte Haltung und ein Verständnis für den göttlich-geistigen «Schub» oder Plan zu vermitteln, damit sein Weg erleichtert werde. Sie alle und ihre Gruppen von Jüngern niederen Grades, Aspiranten und Studenten der esoterischen Wahrheiten, stehen geschlossen hinter Christus und machen es ihm auf diese Weise möglich, sein Vorhaben auszuführen. Ihre Haupterkenntnis ist die, dass sie im geistigen Leben unseres Planeten eine wiederkehrende Krise sehen, wie sie im Haus des Vaters (Shamballa) seit Tausenden von Jahren vorausgesehen worden war. Sie haben die Tatsache erfasst, dass zum ersten Male in der menschlichen Geschichte alle drei geistigen Zentren (oder Gruppen), durch die Gott wirkt, auf dasselbe Ziel eingestellt sind. Shamballa, die geistige Hierarchie, und die Menschheit (das Haus des Vaters, das Reich Gottes und die Welt der Menschen) streben in einer umfassenden Aktion danach, die Intensität des Lichtes der Welt zu steigern. Dieses Licht wird nicht nur des Vaters Haus, das die Quelle unserer ganzen planetarischen Lichtfülle ist, in nie gekanntem Glanz durchstrahlen, sondern auch das geistige Zentrum, von dem alle jene Lehrer und Welterlöser ausgingen, die unter Menschen erschienen und wie Hermes, Buddha und Christus sagten: «Ich bin das Licht der Welt.» Dieses Licht wird nun die Welt der Menschen durchfluten, dem menschlichen Denken Erleuchtung bringen und die dunklen Seiten des menschlichen Daseins erhellen.

Was uns Christus bringen wird, ist Licht und - vor allem anderen - «Leben in grösserer Fülle», und bis dahin kennen wir die volle Bedeutung dieser Worte nicht. Wir können uns gar nicht vorstellen, welche Offenbarungen uns dadurch zufallen und welche neuen Möglichkeiten sich für uns auftun werden. Aber durch ihn sind Licht und Leben unterwegs, um als guter Wille und rechte menschliche Beziehungen verstanden und angewendet zu werden. Darauf bereitet sich die geistige Hierarchie vor. Diesmal wird Christus nicht allein kommen, denn seine Mitarbeiter werden ihn begleiten. Seine und deren Erfahrungen werden anders als die damaligen sein, denn diesmal wird ihn jedes Auge sehen und jedes [611] Ohr hören, und jedermann wird sich über ihn ein Urteil bilden können.

An diesem Aufbauwerk, das Christus im Auge hat, können wir tatkräftig mithelfen, wenn wir und alle, die wir erreichen können, uns mit folgenden Tatsachen vertraut machen:

1. Dass die Wiederkunft Christi nahe bevorsteht.

2. Dass wir durch Anerkennen seines Erscheinens den in jedem Menschenherzen wohnenden Christus erwecken können.

3. Dass in den hl. Schriften der Welt die Umstände seiner Rückkehr nur symbolisch dargestellt sind; diese Tatsache kann die vorgefassten Meinungen der Menschen ganz wesentlich ändern.

4. Dass die wichtige Vorbedingung seines Kommens eine Welt des Friedens ist; dieser Friede aber muss sich auf einem entwickelten Guten Willen gründen, der mit Notwendigkeit zu rechten menschlichen Beziehungen und daher auch - bildlich gesprochen - zur Errichtung von Lichtlinien zwischen Nationen, Religionen, Gruppen und von Mensch zu Mensch führen wird.

Wenn es uns gelingt, der ganzen Welt diese vier Ideen darzulegen, und wenn wir imstande sind, die kritische Einstellung zu überwinden, dass all das zu verschwommen, prophetisch und phantastisch sei - dann haben wir wirklich etwas erreicht. Es ist sicher möglich, dass die alte Wahrheit «Der Verstand erschlägt die Wirklichkeit» bei der grossen Masse grundsätzlich zutrifft; und es mag sein, dass die rein verstandesmässige Stellungnahme (welche die Vision ablehnt und das Unbeweisbare nicht annimmt) weit mehr im Unrecht sein mag als das ahnende Hoffen der Gottkenner und die Erwartung der grossen Menge.

Die göttliche Intelligenz ist in der geistigen Hierarchie verankert; und diese Hierarchie besteht heute aus jenen, die in sich beides vereint haben: Den Intellekt und die Intuition, das Praktische und das scheinbar Unpraktische, die Lebensart der Tatsachen sowie die Art und Weise eines Menschen, der die Vision erschaut. Dann müssen alle die Menschen, die auf den Marktplätzen des täglichen Lebens [612] zu finden sind, darin geschult werden, das Göttliche zu «sehen», wie es sich als Folge von Bewusstseinserweiterungen im äusseren Leben kundtut. Der erwartete Christus wird nicht der gleiche sein wie Jener, der damals (scheinbar) von uns ging. Er wird kein «Mann der Schmerzen» und keine stille, ernste Figur sein; er wird geistige Wahrheiten verkünden, die keiner Auslegung bedürfen und auch nicht unrichtig ausgelegt werden können, einfach, weil er selbst da sein wird, um den wahren Sinn des Gesagten aufzuzeigen.

Seit zweitausend Jahren ist er das Oberhaupt der unsichtbaren Kirche, der geistigen Hierarchie, die sich aus Jüngern aller Glaubensrichtungen zusammensetzt. Er anerkennt und liebt auch alle Nichtchristen, wenn sie nur treu zu ihren Religionsbrüdern Buddha, Mohammed und anderen stehen. Ihn kümmert nicht, wes Glaubens jemand ist, wenn nur das Ziel erstrebt wird: Gott und die Menschen zu lieben. Wenn die Menschen nach dem Christus Ausschau halten, der seine Jünger vor vielen Jahrhunderten verliess, dann werden sie schwerlich den Christus wiedererkennen, der sich jetzt zur Rückkehr rüstet. Im Bewusstsein Christi gibt es keine religiösen Schranken, und es hat bei ihm nichts zu sagen, zu welchem Glauben sich jemand bekennt.

Der Sohn Gottes ist unterwegs, und er kommt nicht allein. Seine Vorhut ist schon hier, und der Plan, nach dem sie sich richten muss, ist bereits ausgearbeitet und ganz klar. Lasst uns diese Tatsache gebührend würdigen!

Vorbereitung für die Wiederkunft Christi

Juni 1947

Im Anschluss an meine vorige Botschaft habe ich noch viel mitzuteilen, und ich spreche hier zu allen Aspiranten und Jüngern. Die geistige Gelegenheit ist jetzt so günstig, dass sie eine Art Herausforderung darstellt und eure Stellungnahme verlangt. Ihr müsst aus freien Stücken eine Wahl treffen. Aber wie immer ihr euch entscheiden möget, diese Entscheidung wird ganz deutlich den Rest eurer Lebensarbeit bestimmen. Was ich zu sagen habe, ist seinem [613] Wesen nach verhältnismässig einfach. Aber so einfach das Problem erscheinen mag, so schwer ist es zu lösen.Eure Reaktion wird davon abhängen, welchen Sinn für Werte ihr habt, und nicht davon, inwieweit ihr schwierigen Gedankengängen folgen könnt. Der Durchschnittsaspirant und der intelligente Mensch neigen dazu, nur die vielfältigen Ereignisse und komplizierten Probleme zu sehen, mit denen alle Länder zu tun haben. Auf diese Weise schaffen sie sich einen Vorwand und rechtfertigen ihr Verhalten.

Was ich zu sagen habe, bezieht sich auf meine Botschaft von der Wiederkunft Christi. Diese Botschaft ist eine Herausforderung, die in jedem aufrichtigen Menschenherzen folgende Fragen aufwirft:

1. Wie kann ich persönlich diesem Appell nachkommen?

2. Was kann ich im besonderen dafür tun?

3. Welche Schritte sollte ich - so, wie jeder geistig strebende Mensch - tun?

Diese Fragen bedeuten für jeden etwas anderes. Einige Antworten werden sich im Lauf der weiteren Lektüre einstellen. Obwohl ich hier für Jünger Christi schreibe, so können meine Worte auch für alle aufrichtigen Denker und Christgläubigen aufschlussreich und bedeutsam sein.

Die Verwicklungen und Schwierigkeiten dieser Nachkriegsperiode sind sehr gross. Je näher ein Aspirant der Quelle geistigen Lichtes und Einflusses ist, um so schwieriger ist sein Problem, doch um so klarer versteht er die Tatsachen. Wenn man die Einzelheiten im Vordergrund, die meistens ungebührliche Ausmasse annehmen, ausser acht lässt, und wenn man von diesen Details, die das tägliche Leben verwirren und bedrücken, Abstand gewinnt, dann ist das Problem verhältnismässig einfach und von zweifacher Art.

Erstens: Der äussere physische Krieg ist eben erst beendet; seit der Feuereinstellung sind erst zwei Jahre vergangen, und während dieser kurzen Zeit hat sich noch kein Land von den schrecklichen Auswirkungen erholt. Zwischen den Nationen besteht noch kein wirklicher Verkehr und kein wahres geistiges Verstehen. Die Vereinigten Staaten erlauben Geldsammlungen, um die Zionisten mit Waffen zu versorgen, die sich gegen Grossbritannien, eine verbündete [614] und befreundete Macht, richten. Sie billigen eine Propaganda gegen Russland, das ebenfalls ein Verbündeter war. Nirgends werden wirkliche und entschlossene Anstrengungen gemacht oder Kompromisse angestrebt, um die unhaltbaren wirtschaftlichen Zustände - die Hauptursache von Krieg und Hass unter den Nationen - zu beseitigen.

Zweitens (und vom geistigen Standpunkt aus viel wichtiger, wenn auch weniger leicht erkennbar): die Kräfte des Bösen sind noch immer aktiv; sie sind zwar zurückgetrieben, aber immer noch mächtig. Sie betätigen sich heimtückisch und sind noch immer bestrebt, festen Fuss zu fassen; mit grosser Geschicklichkeit nähren sie die Angst und Unsicherheit in der Welt, um immer wieder Spannungen und Gegensätze zu schaffen.

Solange nicht diese beiden Ursachen der Spannungen in der Welt erkannt sind und in der rechten Weise behandelt werden, ist das Leben des Aspiranten und erst recht das des Jüngers ausserordentlich schwer. Ihr mögt mit Recht einwenden, dass das Leben all derer, die durch den Krieg gelitten haben, dass das Schicksal der hungernden Völker in Grossbritannien, Italien, China, Polen und auf dem Balkan, ja auch der Deutschen und Japaner, die ja daran schuld sind, unerträglich ist, dass also auch alle Aspiranten und Jünger genauso darunter leiden. Das ist freilich wahr, aber die fortgeschrittenen Denker und Mitarbeiter müssen weit mehr ertragen als die Allgemeinheit. Sie teilen (mit offenem Herzen und klarem Kopfe) nicht nur die Sorgen und Nöte der grossen Massen, sondern sehen bereits die kommenden geistigen Möglichkeiten; sie erkennen die Aufgabe, «das Tor zum Übel» zu verschliessen, und sie wissen, mit welchen ausserordentlichen und einzigartigen Umständen diejenigen rechnen müssen, welche die baldige Wiederkunft Christi als eine Tatsache anerkennen.

Wenn nun ein Jünger mit diesen inneren und äusseren Möglichkeiten und Ereignissen konfrontiert wird, da mag ihn leicht ein Gefühl völliger Hoffnungslosigkeit überkommen; er möchte zwar sehr gerne helfen, weiss aber nicht, wie er es anfangen soll. Wenn [615] er die drohenden Schwierigkeiten begreift, wenn er die geistigen und materiellen Hilfsmittel überprüft, die ihm und denen zur Verfügung stehen, mit denen er arbeiten soll, und wenn er die gegnerischen Kräfte klar vor sich sieht, da mag er sich vielleicht fragen: «Was hat denn all meine Anstrengung, die ich machen kann, für einen Zweck? Warum soll man nicht die guten und die bösen Kräfte ihren Kampf allein ausfechten lassen? Warum lässt man nicht dem Drang der Entwicklung freien Lauf? dieser evolutionäre Strom muss ja doch eines Tages, irgendwann in der Zukunft, diesen Kampf beenden und den Triumph des Guten bringen. Warum sollen wir jetzt etwas unternehmen?»

Das sind ganz natürliche Reaktionen, wenn man die derzeitigen Spannungsbereiche, die überhandnehmende Gier, die internationalen und rassischen Gegensätze und die egoistischen Motive so vieler Nationen betrachtet. Dazu kommt die stumpfe Teilnahmslosigkeit der Massen, insbesondere aber das immer stärker werdende Misstrauen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, wofür beide Seiten fast gleichermassen zu tadeln sind. Diese zu einem Krieg treibende Situation wird durch die äusserst geschickte antikommunistische Macht der römisch-katholischen Kirche verschärft, die - vornehmlich in den Vereinigten Staaten - ihre politischen Pläne verfolgt. Dazu kommen die reaktionären Bewegungen in allen Ländern und der Kampf ums Öl, der die Politik Russlands, der Vereinigten Staaten und Grossbritanniens beherrscht. Ausserdem ist zwischen Hindus und Moslems ein Kampf um die Vorherrschaft in Indien entbrannt, und schliesslich schüren die Zionisten (nicht die Juden in ihrer Gesamtheit) den Krieg um Palästina in der Weise, dass sie den verschleppten Juden die Information vorenthalten, dass sie in vielen Ländern der Erde eine Zufluchtsstätte finden würden. Hinter diesem Kampf steckt nicht eine Liebe zu Palästina, sondern Habgier; massgebend sind finanzielle Interessen, nicht der humanitäre Geist (wie die Zionisten behaupten), der sie zwingen würde, die von Grossbritannien, Kanada, Chile, Belgien und anderen Ländern gemachten Angebote anzunehmen.

Die Erkenntnis all dieser Faktoren lässt bei denkenden Männern und Frauen ein Gefühl der Entmutigung und Hoffnungslosigkeit aufkommen. Statt dessen sollten wir den Problemen mutig und verständnisvoll ins Auge schauen und bereit sein, den Tatsachen gemäss [616] zu sprechen, einfach und liebevoll; wir sollten uns bestreben, die Wahrheit aufzudecken und die zu lösenden Probleme zu klären. Die entgegenwirkenden Kräfte des Übels, die sich fest verschanzt haben, müssen zuerst in die Flucht geschlagen werden, bevor Christus, auf den alle Menschen warten, kommen kann.