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DIE WIEDERKUNFT CHRISTI – Teil 2

Das Wissen, das er bereit ist und nur darauf wartet, vor seiner geliebten Menschheit öffentlich zu erscheinen, verstärkt nur das Gefühl der Unzulänglichkeit, und es erhebt sich eine andere, sehr wesentliche Frage: Für wie lange denn sollen wir aushalten, ringen und kämpfen? die Antwort ist klar und deutlich: Er wird zuverlässig dann kommen, wenn der Frieden grossenteils wiederhergestellt ist, wenn der Grundsatz des Miteinander-Teilens im Wirtschaftsleben zumindest im Anfangsstadium ist, und wenn die Kirchen und politischen Gruppen angefangen haben, im eigenen Haus Ordnung zu machen. Dann kann und wird er kommen; dann wird das Reich Gottes öffentlich anerkannt werden und nicht länger eine Sache der Träume, Wunschgedanken und orthodoxer Hoffnungen sein.

Man hört die Leute fragen, warum Christus nicht mit dem feierlichen Pomp kommt, den die Kirchen diesem Ereignis zuschreiben, und warum er durch sein Kommen nicht seine göttliche Macht zeigt, die Autorität und Machtfülle Gottes überzeugend beweist und auf solche Weise die Zeit der Not und Trübsal beendet? Darauf gibt es viele Antworten. Man darf nicht vergessen, dass das von Christus hauptsächlich angestrebte Ziel nicht darin bestehen wird, Macht zu offenbaren, sondern das bereits bestehende Reich Gottes öffentlich bekanntzumachen. Und noch etwas: Bei seinem früheren Kommen wurde er nicht erkannt; wer garantiert, dass es diesmal anders sein wird? Der Leser mag fragen: Warum sollte er nicht erkannt werden? Weil die Augen der Menschen noch geblendet sind von den Tränen der Selbstbemitleidung und nicht der Zerknirschung; weil die Herzen der Menschen noch immer von Selbstsucht zernagt sind, die durch die Qualen des Krieges nicht geheilt wurde; weil heute die Wertmassstäbe ebenso niedrig sind wie bei seinem Kommen in dem sittlich verderbten Römerreich (der Unterschied besteht nur darin, dass damals das abgesunkene Niveau örtlich begrenzt und nicht, wie heute, weltenweit war); weil diejenigen, die ihn erkennen könnten und seine Wiederkehr erhoffen und ersehnen, nicht willens sind, die notwendigen Opfer zu bringen und so den Erfolg seines Kommens sicherzustellen.

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Ein weiterer Umstand, dass er kaum Anerkennung finden würde (was euch wahrscheinlich überrascht), ist die Tatsache, dass es in der heutigen Welt so viele wirklich gute Menschen, so viele selbstlose Leute und Jünger und so viele wirklich heiligmässige Männer und Frauen gibt, dass diese geistige «Konkurrenz» von ihm einen Grad von Heiligkeit erfordern würde, der das Annehmen eines physischen Körpers unmöglich macht; mit einem derartig heiligen Körper könnte er nicht unter den Menschen erscheinen. Das war vor zweitausend Jahren nicht der Fall; aber heute ist es so, denn der menschliche Fortschritt und der Erfolg des Evolutionsprozesses ist gross. Seine Wiederkunft auf Erden erfordert eine Welt, die genügend tatkräftige Persönlichkeiten und geistig gesinnte Menschen hat, um die Atmosphäre unseres Planeten zu ändern. Dann, und nur dann, kann und wird Christus kommen. Und das ist möglich.

Neuzeitliches esoterisches Denken und die guten Ergebnisse einer wissenschaftlichen, geistigen Lebensweise sind jetzt schon allgemein so anerkannt, dass das menschliche Bewusstsein überall tief beeinflusst wurde; und diese Wirkung wird sich noch in dem Masse verstärken, wie die Hoffnung auf sein Kommen und die Vorbereitungen dafür zunehmen werden. Die Situation deutet weder auf eine Vereitelung der göttlichen Pläne noch darauf hin, dass diese jetzt nicht durchgeführt werden könnten; sie zeugt vielmehr von dem Wunder der göttlichen Natur des Menschen sowie davon, dass der göttliche Plan für die Menschheit Erfolg haben wird. Diese göttliche Natur soll aber durch freie Willensäusserung des Menschen zum Ausdruck kommen.

Ein weiterer Punkt: Wenn dereinst Christus mit seinen Jüngern (den Meistern der Weisheit) aus der Stätte der Macht hervorkommt und öffentlich in Erscheinung tritt, dann wird sich diese Stätte der Liebe und der Macht auf Erden befinden und allgemein bekannt werden. Die Auswirkungen dieses Erscheinens und Bekanntwerdens werden ungeheuerlich und erschreckend sein; dies wird ebenso schreckliche Angriffe und Anstrengungen von Seiten der Dunkelkräfte hervorrufen, falls die Menschheit «die Tür zum Übel» noch nicht versiegelt haben sollte. Das muss durch Herstellung rechter menschlicher Beziehungen erfolgen.

Ihr solltet auch noch über folgenden Punkt nachdenken: Christus und die geistige Hierarchie werden niemals - mag die Not noch so gross und der Anlass noch so wichtig sein - das von Gott verliehene Recht verletzen, das dem Menschen erlaubt, seine eigenen Entscheidungen [618] zu treffen, seinen eigenen freien Willen auszuüben und Freiheit durch Kampf um die Freiheit zu erlangen als Einzelmensch, als Nation oder auf internationaler Basis. Wenn einmal auf Erden wahre Freiheit herrscht, dann werden wir das Ende jeglicher Tyrannei erleben, sei sie politischer, religiöser oder wirtschaftlicher Art. Ich beziehe mich hier nicht auf die moderne Demokratie, denn die heutige Demokratie ist nur eine Philosophie des Wunschdenkens. Ich habe vielmehr jene Periode im Auge, in der das Volk selbst regieren wird. Diese Menschen werden keinerlei Diktatur seitens einer Kirche oder eines politischen Systems dulden; sie werden keine Organisation gutheissen oder ans Ruder kommen lassen, die sich erdreistet, den Menschen vorzuschreiben, was sie glauben müssen, um errettet zu werden, oder welche Regierungsform sie annehmen müssen.

Die Neue Gruppe der Weltdiener, die Jünger, die Aspiranten und die Menschen guten Willens in der Welt müssen diese Dinge glauben und - als Vorbereitung für sein Kommen - lehren.

Es ist nicht wichtig oder unumgänglich notwendig, dass diese erstrebenswerten Ziele schon vollendete Tatsachen auf Erden sein müssen, bevor Christus wieder unter uns wandeln kann. Es ist jedoch erforderlich, dass diese Einstellung zu Religion und Politik von der Allgemeinheit als erwünscht angesehen wird, und dass erfolgreiche Schritte unternommen wurden, um rechte menschliche Beziehungen herzustellen. Um also das Gefühl von Erfolglosigkeit und Nichtigkeit (das unbestreitbar vorhanden ist) zu überwinden, muss eine Geistesverfassung entfaltet werden, die auf dem Glauben an die Wahrhaftigkeit der historischen Urkunden beruht; diese geschichtlichen Berichte bezeugen, dass in kritischen Zeiten viele Welterlöser zur Menschheit gekommen sind, und unter diesen war Christus der grösste. Eine rechte und konstruktive Einstellung muss ferner auf der angeborenen Erkenntnis beruhen, dass Christus wirklich existiert und alle Zeit unter uns gelebt hat; und es muss die Erkenntnis Fuss fassen, dass der Krieg - mit seinem unaussprechlichen Grauen, mit seinen Grausamkeiten und sintflutgleichen Katastrophen - nur der Kehrbesen des Allvaters war, der alle Hindernisse auf dem Pfad des wiederkehrenden Sohnes hinwegfegte; unter den herrschenden Vorkriegszuständen wäre es geradezu unmöglich gewesen, sein Kommen vorzubereiten. Auf diesen Tatsachen muss heute die Neue Gruppe der Weltdiener Stellung beziehen. Sie [619] müssen die hemmenden Faktoren erkennen, dürfen sich aber durch sie nicht irremachen lassen; sie müssen auch die Hindernisse sehen, von denen viele finanzieller Art sind und auf materieller Habsucht, überkommener Tradition und nationalen Vorurteilen beruhen. Die Mitglieder der Neuen Gruppe der Weltdiener müssen daher Wendigkeit im Handeln und kaufmännischen Scharfsinn beweisen, damit auch diese Hindernisse überwunden werden; mit klaren Augen müssen sie sich ihren Weg durch die weltweiten Schwierigkeiten bahnen und unversehrt und erfolgreich durch alle Schwierigkeiten hindurchkommen.

Ich möchte mich hier weder mit den üblichen geistigen Vereitelungen noch mit den alltäglichen Binsenwahrheiten und den Erwiderungen darauf befassen, die nichts helfen, weil sie Binsenwahrheiten bleiben und nicht in Aktionen umgesetzt werden. Ich will mich hier nur auf zwei Faktoren beschränken, welche die jetzige günstige Gelegenheit stark beeinträchtigen; wenn sie nicht beseitigt werden, können sie die Wiederkehr Christi für lange Zeit verzögern. Es sind dies:

1. Die Trägheit der Durchschnitts-Aspiranten oder der geistig ein gestellten Menschen.

2. Der Mangel an Geldmitteln für das Vorbereitungswerk.

Beide Hindernisse haben grundsätzlich den gleichen Ursprung: Materialismus. Das eine Hindernis beruht auf dem Materialismus physischer Anstrengung, das andere auf dem einer weltlichen Einstellung.

Wir wollen diese Themen in einfacher Art und von der niedrigen Ebene aus betrachten, auf der heute die meisten Menschen arbeiten und denken. Wir wollen ausgesprochen praktisch vorgehen und uns zwingen, die Verhältnisse so zu sehen, wie sie tatsächlich sind, um dadurch zu einem besseren Verständnis unserer selbst und unserer Beweggründe zu kommen.

1. Die Trägheit des geistig eingestellten Durchschnittsmenschen

Geistig interessierte Leute von Durchschnittsformat, Menschen guten Willens oder Jünger sind sich dauernd der Anforderungen der Zeit bewusst und sehen sofort die gute Gelegenheit, die sich durch geistige Ereignisse bietet. Der Wunsch, Gutes zu tun und geistige Ziele zu erreichen, nagt unaufhörlich in ihrem Bewusstsein. Jeder, der seine Mitmenschen liebt, der von der Verwirklichung des [620] Reiches Gottes auf Erden träumt oder bewusst verfolgt, wie die grossen Massen - wenn auch langsam - für höhere, geistige Dinge erwachen, ist im tiefsten Herzensgrunde unzufrieden. Er fühlt, dass die persönliche Hilfe, die er für diese wünschenswerten Ziele beisteuert, wirklich gering ist; er weiss, dass sein geistiges Leben nur nebenherläuft, und er behält diese Tatsache sorgfältig für sich, ja er fürchtet sich sogar oft, seinen nächsten und liebsten Menschen davon auch nur ein Sterbenswörtchen zu erzählen. Er versucht, seine geistigen Bemühungen in das äussere Alltagsleben einzureihen, und bemüht sich, in einer sanften, unwirksamen und harmlosen Art dafür Zeit und Gelegenheit zu finden. Er fühlt sich der Aufgabe nicht gewachsen, sein Arbeitsprogramm zu organisieren oder so umzustellen, dass die geistige Seite seines Lebens vorherrschend würde; er sucht für sich selber Ausreden und Entschuldigungen, und er tüftelt und vernünftelt so lange, bis er zu dem Schluss kommt, dass er alles tue, was unter den gegebenen Umständen möglich ist.In Wahrheit aber tut er so wenig, dass er von den vierundzwanzig Stunden im Tag nur eine Stunde (oder, wenn es hoch kommt, zwei Stunden) dem Werk des Meisters widmet; er redet sich aus, dass ihn häusliche Verpflichtungen daran hindern, mehr zu tun; dabei wird ihm gar nicht klar, dass - bei Takt und liebendem Verständnis - gerade seine häusliche Umwelt das Feld seiner Triumphe werden kann und muss; er vergisst völlig, dass der Geist im Menschen durch keine, wie immer gearteten Umstände besiegt werden kann und dass es keine Situation gibt, in der ein Aspirant nicht meditieren, denken, sprechen und den Weg für die Wiederkunft Christi vorbereiten könnte, vorausgesetzt natürlich, dass ihm etwas daran liegt, und dass er Sinn und Bedeutung der Worte «Opfer» und «Schweigen» kennt. Für ein geistiges Leben sind Lebensumstände und Umwelt kein wirkliches Hindernis.

Vielleicht versteckt er sich hinter der Ausrede einer schwachen Gesundheit und oft auch eingebildeter Krankheiten. Für sich selber wendet er so viel Zeit auf, dass die Stunden, die dem Meister zur Verfügung gestellt werden könnten, arg beschnitten werden; er ist derart beschäftigt, sich müde zu fühlen, eine Verkühlung oder eingebildete Herzkrankheiten zu behandeln, dass sich sein «Körper-Bewusstsein» ständig verstärkt, bis dieses schliesslich sein Leben beherrscht; dann ist es zu spät, etwas zu tun. Das ist besonders bei Leuten der Fall, die das 50. Lebensjahr erreicht oder überschritten [621] haben. Es wird dann schwer, diese Ausreden nicht zu gebrauchen, denn viele Menschen fühlen sich müde und leidend, und das wird mit zunehmenden Jahren noch schlimmer. Die einzige Kur für diese schleichende Untätigkeit besteht darin, den Körper zu ignorieren und dafür seine Freude am «lebendigen Dienst» zu finden. Ich spreche hier nicht von klar erwiesenen Krankheiten oder ernsten physischen Behinderungen; diesen muss man eine richtige Pflege und Behandlung zukommen lassen. Ich spreche vielmehr zu den Tausenden Männern und Frauen, die ein Leiden haben und in der Sorge um sich selbst völlig aufgehen und so Stunden um Stunden vertrödeln, die für den Dienst an der Menschheit nutzbringend verwendet werden könnten. Alle diejenigen, die sich anschicken, den Pfad der Jüngerschaft zu betreten, sollten die vielen Stunden, die sie ganz unnötig für sich vertun, in den Dienst der Hierarchie stellen.

Eine weitere Ausrede, die zu Lässigkeit oder Untätigkeit führt, ist die, dass sich manche Leute fürchten, zu anderen Menschen über Dinge des Reiches Gottes zu sprechen; sie befürchten, abgewiesen zu werden, oder als seltsam oder zudringlich zu erscheinen. Sie schweigen daher lieber, verpassen die günstige Gelegenheit und werden so niemals gewahr, wie gerne die Menschen über die wesentlichen Dinge debattieren, wie empfänglich sie für Trost und den Hoffnungsschimmer sind, den der Gedanke an die Wiederkunft Christi bringen kann, oder wie sehr sie sich nach geistigem Licht sehnen. Dies ist im Grunde genommen eine Art geistiger Feigheit, die weit verbreitet und daher dafür verantwortlich ist, dass Millionen von Stunden für den Dienst an der Welt verlorengehen.

Es gibt noch andere Ausreden, aber die drei genannten sind am häufigsten. Wenn sich ein Grossteil der Menschen von diesen hinderlichen Bedingungen frei machen könnte, dann würde dies so viele Stunden im Dienst für Christus erübrigen und so viel zusätzliche Hilfe ergeben, dass die Aufgabe derer, die keine Ausflüchte kennen, wesentlich erleichtert würde; und Christi Kommen würde der Erfüllung viel näher sein, als es heute der Fall ist. Die hier erwähnte Trägheit ist nicht bloss von geistiger Art, sondern umfasst auch die Qualitäten der Materie oder Substanz selbst. Trägheit ist der niederste Aspekt der materiellen Substanz und heisst in der östlichen Philosophie Tamas. Diese Beschaffenheit muss in die höhere Qualität, nämlich Aktivität (Rajas), umgewandelt werden, und diese führt später zur höchsten Qualität: Rhythmus (Sattva). Wir sind nicht aufgerufen, einen Lebensrhythmus einzuhalten, nach welchem Christus und [622] Die geistige Hierarchie arbeiten und wirken; dieser Rhythmus harmoniert mit den Bedürfnissen der Menschheit und der geistigen Reaktion. Von uns wird jedoch erwartet, dass wir die Eigenschaft geistiger Betätigung überzeugend dartun und uns nicht hinter billigen Ausreden verschanzen. Es ist von wesentlicher Bedeutung, dass alle geistig eingestellten Menschen zur Einsicht kommen, dass sie auf dem Platz, auf den sie gestellt sind, mitten unter den Leuten, die ihre Freunde und Gefährten sind, und mit dem gegebenen seelischen und physischen Rüstzeug arbeiten können und müssen. Im Dienst für die Hierarchie wird keinerlei Zwang oder ungebührlicher Druck ausgeübt. Die Situation ist klar und einfach.

In der heutigen Zeit spielen sich drei Vorgänge ab: Erstens die Tätigkeit, die im «Zentrum, wo der Wille Gottes thront», wahrgenommen wird, jener Wille zum Guten, der die ganze Schöpfung zu grösserer Herrlichkeit und zu einer ständig zunehmenden, intelligenten Reaktionsfähigkeit gebracht hat. Diese schöpferische Kraft sucht jetzt die neue Weltordnung herbeizuführen, die Ordnung des Reiches Gottes, unter der physischen Leitung Christi. Man könnte dies als das Hervortreten der geistigen Hierarchie unseres Planeten in die äussere Welt ansehen. Wenn Christus wiederkommt und eine sichtbare Tätigkeit aufnimmt, so wird es das Zeichen und Symbol dieses Hervortretens sein.

Zweitens die entscheidend wichtige Tätigkeit, welche die geistige Hierarchie beeinflusst und bestimmt, von Christus selbst bis herunter zum geringsten Aspiranten, den man am Rande eben dieser Sphäre antreffen kann, jenes «Zentrums, wo die Liebe Gottes» vollen Spielraum hat. Dort erkennt man voll und ganz, dass (mit den Worten des hl. Paulus) «alle Kreatur sich mit uns sehnet und sich ängstet noch immerdar und auf das Erscheinen der Söhne Gottes wartet» (Römer 8, 22). Für dieses Erscheinen rüsten sich nun diese «Söhne Gottes, welche die Söhne von Menschen sind», und dieses Hervortreten in den äusseren Dienst ist der Anlass dafür, dass sie schon jetzt - einer nach dem andern - ihre Tätigkeit in der Aussenwelt aufnehmen. Sie werden nicht als diejenigen erkannt, die sie wirklich sind; sie kümmern sich um die Angelegenheiten ihres Vaters, sie beweisen überall guten Willen und versuchen, den geistigen Horizont der Menschheit zu erweitern, um solcherart den Weg zu bereiten für den Einen, dem sie dienen, für Christus, den Meister aller Meister, den Lehrer der Engel und der Menschen.

Da ist drittens das Menschengeschlecht, «das Zentrum, das wir Menschheit nennen», das jetzt voller Unordnung, Aufruhr und [623] Bestürzung ist, eine Menschheit, beladen mit Schmerz, Verwirrung und Unruhe, aber verstandesmässig ihrer unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiten voll bewusst; sie kämpft gefühlsmässig für einen Plan, der ihr der beste zu sein scheint; aber es fehlt das Verständnis für den Zusammenhang und die klare Einsicht, dass diese Welt «die eine Welt für die eine Menschheit» sein soll. Die Menschen sehnen sich einfach nach einem Frieden ohne Aufregungen, nach Sicherheit für Leben und Arbeit und nach einem geistigen Zukunftsbild, das einem unbestimmten Gefühl für immerwährende Göttlichkeit Genüge tut. Diese Menschheit ist krank, der wesentlichen Grundlagen eines normalen, gesunden Lebens beraubt und durch das Gespenst finanzieller Unsicherheit ruiniert; sie ruft - bewusst oder unbewusst - zum Allvater um Hilfe für sich und die übrige Welt.

Die Lösung dieses Problems ist in der Wiederkunft Christi zu finden. Das ist der beschlossene Wille Gottes, und alle hl. Schriften der Welt bezeugen es; es ist auch der Wunsch Christi selbst und seiner Jünger, der Meister der Weisheit; und es ist das instinktive Verlangen der Völker in allen Ländern. Da also einheitliche Beschlüsse gefasst wurden und die geistigen Absichten und klar erkannten Wünsche übereinstimmen, kann nur ein Umstand sein Wiederkommen aufhalten, nämlich der, dass die Menschheit darin versagte, die Weltbühne für dieses wundervolle Ereignis herzurichten, «den Weg des Herrn zu bereiten und seine Pfade zu ebnen» (Matth. 3, 2), wenn versäumt würde, die Menschen überall mit der Idee seines Kommens vertraut zu machen und die nötigen Schritte für einen Weltfrieden zu tun, der auf rechten menschlichen Beziehungen beruht.

2. Der Mangel an finanzieller Unterstützung des Werkes Christi

Dies ist vielleicht die grösste aller Schwierigkeiten, und es sieht manchmal so aus, als ob sie unüberwindlich wäre. Dazu gehört das Problem einer treuhänderischen Finanzverwaltung und die Abzweigung angemessener Geldbeträge in Kanäle, die klar und eindeutig dem Werk für die Vorbereitung der Wiederkunft Christi dienen. Diese Frage ist eng mit dem Problem rechter menschlicher Beziehungen verknüpft.

Die Aufgabe ist deshalb besonders schwierig, weil die geistigen [624] Arbeiter in der Welt nicht nur die Menschen dazu erziehen müssen, je nach Vermögen Geld zu spenden, sondern sie müssen in vielen Fällen und in erster Linie mit einem derart magnetischen und mitreissenden Motiv aufwarten, dass die Leute einfach geben müssen. Sie haben ferner eine Pflegschaft, Stiftung oder Organisation zu schaffen, welche die eingegangenen Gelder verwaltet. Das alles ist für sie eine ausserordentlich schwierige Aufgabe. Die jetzige Schwierigkeit besteht aber nicht nur in der Neuerung, für die Vorbereitung der Wiederkunft Christi einen Fonds zu schaffen, sondern sie beruht auf der grossgezogenen Selbstsucht der Mehrzahl derer, welche die Reichtümer der Welt besitzen, und die, wenn sie schon geben, dies nur deshalb tun, weil sie damit den Nimbus ihres Ansehens erhöhen und ihre finanziellen Erfolge herausstellen. Natürlich gibt es auch da Ausnahmen, aber sie sind verhältnismässig selten.

Wenn wir also verallgemeinern und damit unser Thema stark vereinfachen, so können wir annehmen, dass der Strom der Geldausgaben hauptsächlich in die folgenden vier Kanäle abfliesst:

1. In die unzähligen Haushalte der Welt als Lohn, Gehalt oder ererbter Reichtum. Alles das ist in der heutigen Zeit sehr ungleich verteilt, so dass ungeheurer Reichtum neben entsetzlicher Armut besteht.

2. In die grossen kapitalistischen Systeme und Monopole, die gleich gewaltigen Turmbauten in den meisten Ländern anzutreffen sind. Ob dieses Kapital einer Regierung, einer Stadtgemeinde, einer Handvoll reicher Leute oder grossen Gewerkschaftsverbänden gehört, spielt keine Rolle. Wenig genug wird hiervon für die Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen aufgewendet oder für die Einpflanzung jener geistigen Werte bereitgestellt, die zu rechten menschlichen Beziehungen führen.

3. In die Kirchen und religiösen Gruppen der ganzen Welt. Hier wird das Geld für die materielle Seite des Werkes verbraucht, für die Erweiterung und Festigung der kirchlichen Organisation [625] und für die Gehälter und Unkosten (ich betone nochmals, dass ich verallgemeinere, denn gleichzeitig anerkenne ich die Existenz einer geistig gesinnten Minderheit). Nur ein kleiner Bruchteil wird wirklich dazu verwendet, um das Volk zu belehren, um die Einfachheit, «wie sie in Christus ist», vorzuleben, oder um die Tatsache seiner Wiederkunft zu verbreiten - die seit Jahrhunderten eine ganz klare Doktrin der Kirchen ist. Diese Wiederkehr wurde seit langer Zeit vorausgesagt und hätte wohl schon erfolgen können, wenn die Kirchen und religiösen Organisationen überall ihre Pflicht getan hätten.

4. Für menschenfreundliche Zwecke sowie für das Erziehungs- und Gesundheitswesen. Das alles ist ausserordentlich gut und sehr notwendig; die Welt schuldet fürwahr diesen hochherzigen und gemeinnützig denkenden Menschen, welche diese Institutionen ermöglicht haben, sehr viel. Alles dies ist ein Schritt in der rechten Richtung und ein Ausdruck des göttlichen Willens zum Guten. Oft aber werden solche Gelder missbraucht und in unrichtige Bahnen geleitet, oder aber für materielle Zwecke der Institution selbst, für Gebäude usw., verwendet. Der Wert dieser Zuwendungen wurde oft durch Sonderwünsche der Stifter oder durch die religiösen Vorurteile der Fonds-Verwalter gemindert. In dem Streit um Ideen, religiöse Theorien und Ideologien wird ganz übersehen, dieser einen Menschheit tatsächlich zu helfen.

Die Tatsache bleibt bestehen, dass - wenn die massgeblichen Stellen (durch deren Hände das Geld der Welt rollt) nur ein bisschen Weitblick und ein wahres Zukunftsbild von der einen Menschheit und der einen Welt hätten, und wenn sie bestrebt wären, rechte menschliche Beziehungen zu fördern - die grossen Massen allerorten für die zukünftigen Möglichkeiten ganz anders empfänglich wären, als es heute der Fall ist. Dann wäre es nicht notwendig, so, wie jetzt zahllose Milliarden für den physischen Wiederaufbau auszugeben, und zwar nicht nur für die physischen Körper unzähliger Versehrter, sondern auch für den Neuaufbau ganzer Städte und Verkehrssysteme und für die Neugestaltung des gesamten menschlichen Lebens.

Gleichermassen kann gesagt werden, dass, wenn die mit dem Geld verknüpften geistigen Werte und Verantwortlichkeiten (im grossen [626] und im kleinen) richtig eingeschätzt und in den Elternhäusern und Schulen gelehrt worden wären, wir nicht die erschreckenden Statistiken hätten, die darüber Aufschluss geben, was vor dem Kriege überall (und heute in der westlichen Welt) für Süssigkeiten, Alkohol, Zigaretten, Unterhaltung, überflüssige Kleider und Luxusartikel aller Art verschwendet wurde. Diese Aufgaben gehen jährlich in Hunderte von Millionen Dollars. Ein bescheidener Bruchteil dieser Gelder, der nur das Mindestmass an Opfer erforderte, würde die Jünger Christi und die Neue Gruppe der Weltdiener in die Lage versetzen, den Weg für sein Kommen vorzubereiten und das Denken und die Herzen der Menschen in allen Ländern für rechte menschliche Beziehungen heranzubilden.

Geld wurde - wie alles andere im menschlichen Leben - durch Egoismus besudelt und verdorben und für persönliche oder nationale selbstsüchtige Zwecke zusammengescharrt. Der Weltkrieg (1914 bis 1945) ist ein Beweis dafür; denn obgleich ein grosses Gerede war, «die Welt für die Demokratie zu retten» und «den Krieg zu führen, um ihn auszurotten», so war doch das Hauptmotiv Selbstschutz und Selbsterhaltung, die Hoffnung auf Gewinn und Vorteile, die Befriedigung alter Hassinstinkte und der Wiedergewinn eines Herrschaftsgebietes. Die Jahre, die seit Kriegsende verflossen sind, haben hierfür den Beweis erbracht. Die Vereinten Nationen haben sich notgedrungen und unglücklicherweise mit den raubgierigen Forderungen, die von allen Seiten gestellt werden sowie mit den Tendenzen der Nationen zu befassen, die eine machtvolle Weltposition ergattern und in den Besitz der natürlichen Reichtümer der Erde, wie Kohle, Öl usw., kommen möchten; und im Hintergrund sind die Grossmächte und die von ihnen grossgezogenen Kapitalisten eifrig am Werk.

Doch währenddessen schreit diese eine Menschheit - ganz gleich, wo sie wohnt, welche Hautfarbe oder Religion sie hat - nach Frieden, Gerechtigkeit und einer gewissen Sicherheit. All dies würden sie sehr bald bekommen, wenn das Geld richtig verwendet und so mancher sich über seine Verantwortlichkeit klarwerden würde, einer Verantwortlichkeit, die auf geistigen Werten beruht. Mit Ausnahme einiger weniger weitsichtiger Menschenfreunde und einer Handvoll erleuchteter Staatsmänner, Geistlicher und Erzieher ist dieser Sinn für finanzielle Verantwortlichkeit nirgends anzutreffen.

Die Zeit ist nun gekommen, in der Geld wieder gewertet und geschätzt und dessen Nützlichkeit in neue Bahnen geleitet werden [627] muss. Die Stimme des Volkes muss ausschlaggebend sein, aber es muss ein Volk sein, das in richtigen Wertbegriffen, im Sinn einer echten Kultur und in der Notwendigkeit für rechte menschliche Beziehungen herangebildet wurde. Es ist also im wesentlichen eine Frage der richtigen Erziehung und der rechten Ausbildung zum Weltbürger - eine Aufgabe, die bis jetzt noch nicht angepackt wurde. Wer kann diese Ausbildung geben? Russland würde mit Freuden die Welt in den Idealen des Kommunismus ausbilden und das ganze Weltkapital in die Geldschränke des Proletariats zusammenschaufeln, und es würde schliesslich das grösste kapitalistische System schaffen, das die Welt je gesehen hat. Grossbritannien würde gerne die Welt in der britischen Auffassung von Gerechtigkeit, fair play und Welthandel schulen und würde dies aufgrund seiner enormen Erfahrungen richtiger machen als jede andere Nation; allerdings würde es dabei auch seinen Profit im Auge behalten. Auch die Vereinigten Staaten würden es gern übernehmen, der Welt die amerikanische Sorte von Demokratie aufzudrängen; sie würden dabei ihr ungeheures Kapital und ihre Hilfsquellen einsetzen und sodann die Gewinne ihrer weltweiten Finanzgeschäfte in ihre Banken leiten und unversehrt erhalten, indem sie mit der Atombombe drohen und der restlichen Welt die gepanzerte Faust zeigen. Frankreich möchte Europa in einem Zustand der Unruhe halten, indem es versucht, sein verlorenes Ansehen wiederzugewinnen und aus dem Sieg der verbündeten Nationen das Meistmögliche herauszuholen. So also steht die Sache; eine jede Nation kämpft nur für ihre eigenen Belange, und alle taxieren einander nur nach der Höhe der Hilfsquellen und Finanzen. Unterdessen hungert die Menschheit, bleibt unaufgeklärt und wird in falschen Wertbegriffen und in der unrichtigen Verwendung von Geld erzogen. Solange man nicht darangeht, diese Dinge in Ordnung zu bringen, ist die Wiederkehr Christi ausgeschlossen.

Worin besteht nun angesichts dieser beunruhigenden finanziellen Situation die Lösung dieses Problems? In jedem Land, in jeder Regierung, Kirche und Religion und in jeder Erziehungsanstalt gibt es Männer und Frauen, welche die Lösung kennen. Welche Hoffnung besteht da für sie und das Werk, mit dem sie betraut wurden? Wie können die Leute in der Welt, die Menschen mit gutem Willen und geistigem Weitblick helfen? Können sie irgend etwas tun, um das Denken der Welt in bezug auf Geld zu ändern und dieses dorthin zu leiten, wo es richtiger verwendet wird? Das Problem muss gelöst werden.

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Es gibt zwei Gruppen, die viel tun können: Erstens diejenigen, die bereits von den finanziellen Hilfsquellen Gebrauch machen, falls sie die neue Vision erfassen und auch die Handschrift an der Wand lesen können, die Kunde von der Zerstörung der alten Ordnung gibt; und zweitens die zahllosen guten und freundlichen Menschen, die in allen Klassen und Einflussbereichen zu finden sind.

Die Menschen mit gutem Willen und geistiger Gesinnung müssen den Gedanken zurückweisen, dass sie verhältnismässig von geringem Nutzen, unbedeutend und unzulänglich seien; sie müssen sich darüber klarwerden, dass sie jetzt (im kritischen und entscheidenden Moment) sehr wirkungsvolle Arbeit leisten können.

Die Mächte des Übels sind besiegt, wenn auch noch nicht «versiegelt» hinter dem Tor, wohin die Menschheit sie verweisen kann; aber das soll sich nach Voraussagen des Neuen Testamentes noch ereignen. Die bösen Kräfte versuchen auf jedem nur erdenklichen Weg, sich wieder heranzupirschen, doch können wir mit Zuversicht und Bestimmtheit sagen: Es gibt in der Welt eine genügend grosse Anzahl von kleinen Leuten, die von ihrem Standpunkt aus klarsehen und selbstlos sind, und die, wenn sie es wollen, ihre Macht fühlen lassen können. In jedem Land gibt es Millionen geistig gesinnter Männer und Frauen, die, wenn sie sich ernstlich und geschlossen mit dieser Geldfrage befassen, Gelder für ständig in die richtigen Bahnen lenken können. Überall gibt es Schriftsteller und Denker, die wirkungsvoll helfen können und es auch tun werden, wenn man nur richtig an sie herantritt. Man kann ferner esoterische Studenten und treu ergebene Kirchengläubige um die Mitarbeit bitten, den Weg für die Wiederkehr Christi vorzubereiten, besonders, wenn die erbetene Hilfe dazu dienen soll, um rechte menschliche Beziehungen anzubahnen und die Zunahme und Verbreitung des guten Willens zu fördern.

Was verlangt wird, ist nicht ein grosser Werbefeldzug zur Aufbringung von Geldern, sondern der selbstlose Einsatz von Tausenden anscheinend unbedeutender Menschen. Ich möchte sagen, dass die am dringendsten notwendige Eigenschaft Mut ist; es gehört Mut dazu, um Schüchternheit, Scheu und die Abneigung abzulegen, eine Sache vorzubringen und zu vertreten, besonders, wenn sie mit [629] Geld zu tun hat. Hierbei versagen die meisten. Es ist heute verhältnismässig einfach, für das Rote Kreuz, für Krankenhäuser oder für Erziehungsanstalten Geld aufzubringen. Aber es ist ungemein schwierig, Geld für die Verbreitung des guten Willens zu beschaffen oder zu erreichen, dass es für fortschrittliche Ideen, wie z.B. für die Wiederkehr Christi, verwendet wird. Daher wiederhole ich: Das erste Erfordernis ist Mut.

Die zweite Forderung an die Mitarbeiter Christi ist die Bereitschaft, Opfer zu bringen und sich so umzustellen, dass sie ihren Beitrag bis zur Grenze des Möglichen leisten können. Es genügt nicht, das Thema mit Schwung und Talent vorzutragen; ein jeder Mitarbeiter sollte das, was er predigt, auch vorleben. Wenn z.B. die Millionen Menschen, die Christus lieben und seiner Sache zu dienen trachten, jährlich wenigstens eine kleine Spende gäben, dann stünden genügend Gelder für sein Werk zur Verfügung; die notwendigen Kuratorien und geistig gesinnten Treuhänder würden sich dann von selbst einstellen. Die Schwierigkeit liegt nicht in der bestimmungsgemässen Verwendung des Geldes oder im Aufbau des Werkes, sie liegt vielmehr in dem scheinbaren Unvermögen der Menschen, Geld zu geben. Aus diesem oder jenem Grund geben sie wenig oder gar nichts, auch wenn sie für eine solche gute Sache wie die Wiederkunft Christi Interesse zeigen; Furcht vor der Zukunft, die Lust am Einkaufen, der Wunsch, Geschenke zu machen, oder die mangelnde Einsicht, dass viele Wenig ein Viel geben - alle diese Faktoren wirken der Gebefreudigkeit entgegen, und der Vorwand scheint immer gerechtfertigt zu sein. Daher lautet die zweite Forderung an jedermann: Gib, soviel du nur kannst!

Drittens: die metaphysischen Schulen und esoterischen Gruppen haben viel darüber nachgedacht, wie sie Geld in solche Bahnen leiten können, die sie warm befürworten. Es wird oft die Frage gestellt: Wieso kommt es, dass die «Unity school of thought» (Einheitsschule des Denkens), die «Christian-Science Church» (Kirche der christlichen Wissenschaft) und viele andere Bewegungen wie «Neugeist» es stets zuwege bringen, die benötigten Geldmittel zusammenzubringen, während andere Gruppen, im besonderen die esoterischen, das nicht fertigbringen? Warum scheinen geistige Arbeiter nicht fähig zu sein, das Notwendige in materieller Form heranzuschaffen? die Antwort ist sehr einfach. Jene Gruppen und Helfer, die dem geistigen Ideal am nächsten kommen, gleichen einer entzweiten Familie. Ihr Hauptinteresse liegt auf einer hohen geistigen Ebene, und sie haben offensichtlich die Tatsache nicht erfasst, dass Tätigkeiten in der äusseren Welt von gleicher Bedeutung sind, wenn sie von der geistigen Ebene aus begründet sind. Die grossen [630] metaphysischen Schulen konzentrieren sich darauf, ihre materiellen Ziele überzeugend darzutun; sie packen ihre Sache so zielbewusst und nachdrücklich an, dass sie alles bekommen, was sie verlangen. Sie müssen noch lernen, dass das Verlangen und dessen Erfüllung aus geistigen Beweggründen kommen muss, und dass das Verlangte nicht für ein kleines persönliches Ich oder nur für die Belange einer bestimmten Organisation oder Kirche verwendet werden darf. Im kommenden neuen Zeitalter und noch vor der Wiederkehr Christi muss das Verlangen nach finanzieller Unterstützung darin begründet sein, rechte menschliche Beziehungen herzustellen und guten Willen hervorzurufen, nicht aber, um irgendeine besondere Organisation gross zu machen. Wenn solche Organisationen finanzielle Unterstützung verlangen, dann sollten sie mit möglichst wenig Unkosten und Geschäftsstellen auskommen, und die Mitarbeiter sollten sich mit einem kleinen, jedoch auskömmlichen Lohn begnügen. Es gibt heute nicht viele solche Organisationen, aber diese wenigen können anderen ein Beispiel geben, dem man sehr bald in dem Masse folgen wird, wie das Verlangen nach der Wiederkehr Christi zunimmt. Daher ist die dritte Voraussetzung: Dienst an der einen Menschheit.

Das vierte Erfordernis ist die wohlüberlegte Art und Weise, wie man die Sache und den Anlass vorbringt, wofür die finanzielle Unterstützung verlangt wird. Manche Leute haben wohl den Mut zu sprechen, aber es ist genau so wichtig, die Idee und den Zweck in einer intelligenten Art vorzutragen. In der Vorbereitungsarbeit für die Wiederkunft Christi ist der Nachdruck auf die Herstellung rechter menschlicher Beziehungen zu legen. Damit wurde bereits überall in der Welt von Gruppen unter verschiedenen Namen, die guten Willens sind, der Anfang gemacht.

Wir kommen nun zur fünften Forderung: Ein lebensstarker und felsenfester Glauben an die Menschheit als Ganzes. Hinsichtlich der Zukunft der Menschheit sollte man nicht pessimistisch sein oder sich über das Verschwinden der alten Ordnung betrüben. «Das Gute, das Wahre und das Schöne» sind unterwegs, und dafür ist die Menschheit allein verantwortlich, nicht eine göttliche Intervention von aussen her. Die Menschheit ist gesund und in Ordnung und im Begriff, schnell wach zu werden. Wir gehen jetzt durch ein Stadium, in dem von jedem Hausdach alles mögliche öffentlich verkündet wird - wie es Christus voraussagte; wenn wir von dem vielen Schmutz und Verbrechen, von den sinnlichen Vergnügungen und Luxus-Einkäufen hören oder lesen, dann könnte man wahrlich den Mut verlieren; aber es ist ganz gut und heilsam, wenn dies alles ans Tageslicht kommt, und wenn wir alle davon wissen. Es ist [631] gleichsam ein seelisches Reinemachen, dem sich viele Menschen unterziehen, und es sind die Vorzeichen für das Anbrechen einer neuen und besseren Zeit.

Da gibt es nun Arbeit genug, und sie muss von Menschen mit gutem Willen, geistigem Instinkt und wahrhaft christlicher Erziehung geleistet werden. Sie müssen das Zeitalter einleiten, in dem Geldmittel für die geistige Hierarchie bereitstehen, und sie müssen diese Notwendigkeit in das Reich der Anrufung erheben. Invokation ist die höchste Form des Betens, die es gibt, und eine neue Art und Weise, Gott anzurufen; das Wissen über die Meditation hat dies jetzt möglich gemacht.

Ich habe diesem Appell, Geldmittel aufzubringen und Mut und Verständnis zu beweisen, nichts weiter hinzuzufügen. Wenn der Mut Christi angesichts seiner Wiederkehr in diese äussere, sichtbare Welt, wenn die dringende Notwendigkeit rechter menschlicher Beziehungen und wenn die Opfer und Mühen der Jünger Christi nicht genug sind, um den Leser dieser Zeilen (und alle, die er erreichen kann) im Innersten aufzurütteln, anzufeuern und mit Energie zu laden - dann gibt es nichts mehr, was noch zu sagen wäre oder einen Sinn und Zweck hätte.

Die Aufgaben in den kommenden Jahrzehnten

April 1948

Das ist voraussichtlich die letzte Wesak-Botschaft, die ich euch zukommen lasse. Im nächsten Jahr wird mein sorgfältig geplantes und genau durchdachtes Werk beendet sein. Ich unternehme es in Übereinstimmung mit dem zyklischen Gesetz (der periodischen Herausgabe esoterischer Lehren), um der Menschheit und der Hierarchie zu helfen, denen beiden ich zufällig angehöre.

Am 19. November 1919 trat ich zum ersten Mal mit A. A. B. in Verbindung (worüber sie stark beunruhigt und erschreckt war), und seither habe ich ständig mit ihr gearbeitet. Die damals von mir geplanten Bücher sind fast beendet. Die verschiedenen Arbeitsbereiche meines Werkes, die auch der Vorbereitung für die Wiederkunft Christi dienten, haben jetzt Gestalt angenommen und sollten sich [632] im Lauf der nächsten zwanzig Jahre weiterentwickeln und immer wieder neue Impulse erhalten.

Ich hatte die Aufgabe, in der ganzen Menschheit Interesse für zwei grosse Ideen zu erwecken und diese im Bewusstsein der Menschen zu verankern; das war der weitaus wichtigste Teil meines Werkes. Diese formulierten Ideen sind folgende:

1. Die Bekanntmachung, dass die Neue Gruppe der Weltdiener existiert, was bisher nicht bekannt war. Das ist eine wirksame und erfolgreiche Gruppe tatkräftiger Persönlichkeiten und Menschheitsdiener, die als Verbindungsmänner zwischen der Menschheit und der geistigen Hierarchie des Planeten fungieren.

2. Die vor kurzem veröffentlichten Mitteilungen über die Wiederkunft Christi samt dem Aufruf, die Vorbereitungen dafür sofort zu verstärken.

Was ich sonst noch im Dienste der Hierarchie getan habe, ist gegenüber diesen beiden Proklamationen geistiger Tatsachen von zweitrangiger Bedeutung.

Der fünfte Band von «Eine Abhandlung über die Sieben Strahlen» und der zweite Band von «Jüngerschaft im Neuen Zeitalter» müssen noch beendet werden, sonst nichts. Diese restliche Arbeit ist bis zum Ablauf der mir gesetzten Frist von dreissig Jahren leicht zu bewältigen. Dann erwarten mich andere Arbeiten im Rahmen der hierarchischen Reorganisations-Bestrebungen, die mit der Wiederkunft Christi und der Herstellung engerer Beziehungen zwischen Menschheit und Hierarchie zusammenhängen. Die derzeitige Reorganisation der Hierarchie ist fast ausschliesslich eine interne Angelegenheit und betrifft nicht die Menschheit.

Ihr alle wisst, was ihr tun solltet, denn das habe ich zur Genüge klargemacht. In dieser letzten Botschaft bitte ich euch: Setzt das Werk fort, das ich euch hinterlasse. (Ich meine natürlich meine esoterische Arbeit).

Dass meine jetzige Arbeit in jedem Fall nur bis zum Jahre 1949 dauern würde, war der Frau A. A. B. gar nicht bekannt, und ihr [633] schlechter Gesundheitszustand hängt in keiner Weise damit zusammen. Er hat jedoch etwas mit der Tatsache zu tun, dass sie nach 28 Jahren Dienst für mich - als Jünger im Ashram ihres eigenen Meisters wieder mehr aktive Mitarbeit übernommen hat. Bevor ich meine Arbeit der letzten drei Jahrzehnte begann, wusste ich genau, wie lange ich brauchen würde, um die von der Hierarchie gewünschten Ergebnisse zu erreichen; alles wurde nach einem klar durchdachten Plan genauestens durchgeführt.

Erstens war es notwendig, eine Kerngruppe von Menschen zu finden, die ich für mein Werk gebrauchen konnte. Daher musste ich zunächst einmal eine Anzahl von Büchern mit den neuen Lehren schreiben, um jene Menschen zu entdecken und auszuwählen, die in dem jetzt anbrechenden neuen Zyklus zur Arbeit bereit sein würden.

Die von A. A. B. gegründete Arkanschule förderte nur zufällig oder nebenbei diese Absicht; ihr Ziel ist, solche Jünger heranzubilden, die den grossen Plan verwirklichen und damit die Wiederkunft Christi vorbereiten können. Die Arkanschule kann daher eine geschulte Gruppe von Mitarbeitern stellen.

Zehn Jahre später begann ich den Umfang meiner Kontakte zu erweitern; die Lehre erreichte jetzt auch Denker in ausseramerikanischen Kontinenten. Daraufhin ging ich daran, mein eigenes Ashram zu bilden und in allen Ländern Menschen zu finden, die zwar die Qualifikation von Jüngern hatten, aber die Einwirkung eines Ashrams des zweiten Strahls brauchten. Als das erreicht war, konnte ich mich im zweiten Jahrzehnt weiteren Arbeiten zuwenden, und so verfasste ich die Flugschrift «Die Neue Gruppe der Weltdiener». Darin machte ich auf die Tatsache aufmerksam, dass es auf der Erde in allen Nationen Männer und Frauen gibt, die (in irgendeiner Form) die geistige Hierarchie des Planeten anerkennen und die ganz klar nicht-separatistisch eingestellt sind (oder im Begriff sind, diese Qualität rasch zu entfalten). Diese Menschen sind in keiner (beengenden) Organisation zusammengeschlossen, sondern hauptsächlich durch die Grundrichtung ihres Denkens und durch die Art ihrer Lebensweise und Tätigkeit miteinander verbunden. Sie bilden eine subjektive geistige Gruppe, die öffentlich darangeht, eine neue, fürs praktische Leben brauchbare Form menschlicher Beziehungen zu schaffen. Dieses neue Verhältnis zueinander beruht auf gegenseitigem Verstehen und geistiger Zusammenarbeit, die sich weder um Hindernisse noch um nationale Grenzen [634] kümmert. Auf der Innenseite geistigen Antriebs und Bemühens arbeiten sie jetzt als einheitliche Gruppe; auf der äusseren Seite des Weltgeschehens kennen sie vielleicht einander persönlich gar nicht oder kommen öffentlich nicht zusammen. Aber sie sind von gleichen Grundsätzen beseelt und verfolgen (in allen Nationen und in allen grossen Bereichen menschlichen Denkens und Planens) ähnliche Ziele.

In diesem (2.) Jahrzehnt meines Wirkens wurden zwei grosse Dienstbereiche geschaffen: die «Dreiecke» (Triangles) und die Bewegung «Menschen guten Willens» (seit 1951: Weltumfassender Guter Wille); [xiii]* beide sind im Begriff, eine grosse schöpferische Tätigkeit zu entfalten. Sie sind ein Versuch, Mitglieder und Anhänger der Neuen Gruppe der Weltdiener (vor allem in der Organisation «Menschen guten Willens») mit Energie zu erfüllen und miteinander in Verbindung zu bringen, und die von den Weltdienern überall gebildeten Gruppen aufzufinden und zu mobilisieren. Wenn nun alle die Menschen, die beten, die gute Absichten haben, die an den göttlichen Willen zum Guten glauben, und diejenigen, welche diesen Willen mit Liebe tun (ganz gleich, was sie damit meinen), ihre Anstrengungen vereinen, dann wird ihre Kraft und Macht stärker. Auf diese Weise wurde in diesem Jahrzehnt eine grosse, einheitliche Kerngruppe geschaffen, die auf die menschliche Lebensweise und Planung eine dauernde Wirkung ausüben wird. Infolge der planetarischen Vereitelung durch die verstärkte Aktivität der Dunkelkräfte kamen die beiden Dienstbereiche langsamer als erwartet zustande; aber das ist nicht ihr Fehler. Die Periode der Vereitelung wird bald vorbei sein, und die beiden Bewegungen werden sich immer mehr durchsetzen. Für diese verstärkte Resonanz in der Öffentlichkeit solltet ihr jetzt eure Pläne machen.

Im dritten und letzten Jahrzehnt meines Wirkens kam die Zeit und Gelegenheit, um in neuer Weise und nachdrücklicher das zu verkünden, was alle grossen Religionen seit jeher vorausgesagt haben, nämlich: die Zeit ist da, dass Christus wieder erscheinen und seinen rechtmässigen Platz als Weltlehrer einnehmen kann, vorausgesetzt, dass entsprechende Vorbereitungen getroffen werden und dass das Streben nach Herstellung rechter menschlicher Beziehungen klar erkennbar ist. Bisher wurde niemals die Notwendigkeit betont, [635] diese Wiederkunft vorzubereiten. Die Auswirkungen dieser Ankündigung sind in einer so kurzen Zeit noch nicht erkennbar, aber die nächsten zehn Jahre werden die volle Bedeutung der bisher geleisteten Arbeit offenbaren.

Mit dieser Ankündigung ging meine planmässige Arbeit zu Ende. Das Buch [xiv]* («Die Wiederkunft Christi»), das auf dieses bald bevorstehende Ereignis hinweist und angibt, auf welche Weise die neue Weltreligion gefördert werden wird, ist bereits im Druck. Ich möchte eure Aufmerksamkeit auf folgende Tatsache lenken: Mit dem allgemeinen Begriff «Welterlöser» verbindet man immer nur das Amt des Christus, ganz gleich unter welchem Namen der erhabene Gottessohn in irgendeinem Weltzyklus bekannt sein mag. In Wirklichkeit aber ist seine Funktion als Weltlehrer viel wichtiger. Die Menschen möchten gern gerettet werden, kümmern sich aber nicht um ihre unmittelbare Verantwortung, die von der Lehre nachdrücklich betont wird. Man darf nicht vergessen, dass die Menschheit nicht durch einen symbolischen Kreuzestod, sondern durch die Lehre Christi gerettet wird. Die Menschen müssen sich selbst dadurch befreien oder erlösen, dass die reine Lehre Christi in ihren Herzen einen Widerhall findet und befolgt wird. Diesen Punkt solltet ihr überall nachdrücklich betonen. Der Mensch erlangt seine Rettung nicht durch gelehrte Auslegungen, sondern dadurch, dass er sich ernstlich bemüht, die Lehre im täglichen Leben so anzuwenden, wie er sie versteht. Die Nachfolger Christi müssen diesen Standpunkt möglichst vielen Menschen zu Bewusstsein bringen.

Hier habt ihr einen kurzen Überblick über das Werk, das ich für die Hierarchie und für Christus, den ich in grösster Ehrerbietung meinen Meister nenne, unternommen habe. Das Werk wurde ziemlich erfolgreich fortgesetzt; viele von euch, welche diese Zeilen lesen, haben getan, was sie konnten, um zu helfen; dafür gebührt euch meine Anerkennung und der Dank der Hierarchie. Aber wenn ihr grössere Klarheit gewinnt, werdet ihr vielleicht feststellen, dass ihr noch etwas mehr tun könnt.

Ich möchte nun (ganz kurz) angeben, was in den beiden nächsten Jahrzehnten getan werden sollte. Zuvor jedoch möchte ich über die Situation und die Zustände in der Welt sprechen, denn diese haben sowohl die hierarchischen als auch (und im besonderen) meine eigenen Bemühungen (einen wichtigen Teil des hierarchischen [636] Unternehmens) beeinträchtigt; andererseits haben sie in einer ganz aussergewöhnlichen Art und Weise den Weg für das Erscheinen Christi frei gemacht.

Als ich 1919 mein äusseres Werk begann, hatte ich nicht erwartet, durch den Zweiten Weltkrieg (richtig gesagt: durch die Endphase des Ersten Weltkrieges) behindert oder gehemmt zu werden. Die Hierarchie hatte gehofft, die Lektion wäre hart genug gewesen, um jene Änderungen zu erzwingen, die für die Zukunft der Menschheit von wesentlicher Bedeutung waren. Aber die Menschheit hatte die notwendigen Lektionen nicht gelernt. Wie schon öfters erwähnt, muss die Hierarchie das göttliche Prinzip des freien menschlichen Willens respektieren; sie kann daher nicht voraussagen, wie die Menschheit in Kriegszeiten handeln wird. Die Hierarchie kann den Weg zum Guten, der normalerweise der menschlichen Natur entgegengesetzt ist, nicht erzwingen, denn gutes und rechtes Handeln muss aus den Tiefen des menschlichen Denkens und Fühlens kommen, und es muss freiwillig und ohne Bevormundung erfolgen. Die Hierarchie darf nicht solche Schritte unternehmen, welche die Menschen daran hindern, Fehler zu machen; denn gerade durch diese Fehler lernen sie und «kommen durch üble Erfahrungen zu der Erkenntnis, dass das Gute das Beste ist» (wie es ein grosser Dichter ausgedrückt hat). Die Hierarchie kann lediglich die notwendige Lehre darbieten, die das menschliche Denken in die rechte Richtung lenkt, sie kann auf den Weg zu rechten Beziehungen hinweisen, aber ebenso auch die Wesensarten und Methoden des Bösen offenlegen. Die Hierarchie hat das seit jeher getan. Als geistige Gruppe kann sie der Selbstsucht, der Habgier und all dem die Stirn bieten, was den Geist des Menschen gefangenhält und seine Freiheit beeinträchtigt. Ein Beispiel: Die Hierarchie demonstrierte gegen die totalitäre Machtpolitik der beiden grossen Mächte Deutschland und Japan, als sie den Zweiten Weltkrieg entfesselten. Sie wird es auch weiterhin tun, wenn totalitäre Habgier und Aggression in irgendeiner Form (heimtückisch oder offen) versuchen, die Freiheit und den freien Geist des Menschen einzuschränken, auf welcher Entwicklungsstufe er immer stehen mag.

Gegen Ende des zweiten Jahrzehnts meines Wirkens erhob die totale Gewaltherrschaft erneut ihr hässliches Haupt, und so war die Hierarchie gezwungen, sich gegen dieses Urprinzip des Bösen zu stellen; sie stellte sich aber niemals gegen irgendeine Gruppe von Menschen. Bitte das wohl zu beachten. Ich möchte also klarmachen, [637] dass die Hierarchie gegenüber jeder Manifestation des Prinzips der Unfreiheit unbeugsam bleibt, ganz gleich in welcher Form sie sich bekundet; aber sie steht immer auf der Seite der Menschheit. Der Geist des Bösen, der die deutschen Aktionen erfüllte, rief bei den Kräften des Lichts und ihrer Quelle, der Hierarchie, jeden möglichen Widerstand hervor. Jetzt manifestiert sich das totalitäre Böse durch das Pläneschmieden der russischen Oligarchie, durch die Zionisten-Bewegung und durch alle jene Gruppen, die den Geist des Menschen zu fesseln und einzukerkern suchen. Aber die Menschen, die sich von diesen bösen Gruppen beeinflussen und von ihren Plänen mitreissen lassen, sind in den Augen der Hierarchie Menschen wie alle anderen; in dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied. Wohl mögen diese Menschen verblendet, schwach und unwissend sein (was zweifellos stimmt), aber im hierarchischen Denken und Planen werden sie niemals von der übrigen Menschheit abgesondert. Man darf dem Bösen nicht erlauben zu triumphieren, aber die unglücklichen und verblendeten Exponenten dieses Bösen werden (zusammen mit den übrigen Menschen) mit Liebe umgeben. Dem unlogischen Denker fällt es schwer, das zu verstehen, aber es ist genau die Denkweise Christi und all derer, die seiner grossen Sache dienen.

Als massierte Habgier und totalitäre Rücksichtslosigkeit auf der Weltbühne in Erscheinung traten, wurde vieles vereitelt, was ich geplant hatte und was ihr alle gerade unternehmen wolltet. Die Arbeit aller Jünger wurde in vielerlei Hinsicht erschwert und behindert, allerdings nur zeitlich begrenzt, aber nicht auf lange Sicht. Ich möchte euch bitten, diesen Punkt zu beachten. Das erschaute Ideal bleibt unverrückt vor Augen, auch wenn jetzt Aktionen unmöglich sind.

Es hat jetzt den Anschein (und alle Anzeichen der vorherrschenden Tendenzen in der Welt deuten darauf hin), dass die noch immer unbesiegte Habgier einiger mächtiger Nationen unbestreitbar weiter um sich greift, und dass wir demnach vor einer weiteren Periode der Vereitelung und grosser Schwierigkeiten stehen. Die Gefühle gegen Russland sind bei den Westmächten erregt, und das ist zum Grossteil ihre eigene Schuld, obwohl das hauptsächlich auf zwei Hauptfaktoren beruht, von denen der eine gut, der andere nicht gut ist.

schädliche Reaktion erfolgte aufgrund der alten Dreiheit [638] von Furcht, Gier und Misstrauen, und sie ist - vom Standpunkt dieser drei Phasen des Egoismus - völlig begreiflich. Diese Tatsache schafft an sich schon grosse Schwierigkeiten. Denkt darüber nach.

Die gute Reaktion beruht darauf, dass die Grundidee, eine einige, friedvolle Welt zu schaffen, vereitelt wird - eine Welt, in der es keinen Krieg gibt, in der die Menschen miteinander in Frieden und Sicherheit leben und überall fast unbehindert auf rechte menschliche Beziehungen hinarbeiten könnten. Diese Superwelt und diese geeinte Menschheit ist ein echtes Ideal, aber ein undurchführbares Vorhaben.

Die Geistesarbeiter und Philanthropen sollten folgende Alternativen in der Welt ins Auge fassen:

1. Ein allesbeherrschendes Russland, dessen Regime die ganze Welt umspannt. Es würde seine totalitäre Auffassung von der kommunistischen Doktrin (es gibt auch eine richtige und rechtmässige Interpretation) mit Gewalt durchsetzen; es würde - im Interesse des Staates - dem Einzelmenschen das Recht auf Freiheit verweigern, und es würde seine Auffassung von Demokratie überall vereinheitlichen, weil es die Meinung (oder Urteilsfähigkeit) der menschlichen Massen geringschätzt.

2. Eine Welt, in der alle Nationen in einem kriegsbereiten Waffenstillstand leben, eine Welt, in der sich das Misstrauen immer stärker ausbreitet und in der die Wissenschaft für die Technik der Vernichtung missbraucht wird. In einer solchen Welt muss und wird es einmal zu einer Explosion kommen, welche die Menschheit vernichten wird; das war schon einmal der Fall, denn die Bibel und andere hl. Schriften (ebenso die hierarchischen Archive) berichten davon.

3. Eine Welt, in der die Vereinigten Staaten beweisen, dass sie die erste Macht sind, nachdem sie Russland ausgelöscht haben, wozu sie durchaus imstande wären, wenn sie es jetzt täten. Es wäre vorwiegend eine kapitalistische Welt, bevormundet von mehreren Nationen, aber angeführt von den USA. Eine kapitalistische Nation ist nicht unbedingt falsch oder unrecht; das Kapital hat schon seine Berechtigung, und Russland (der Feind des Kapitalismus) ist keineswegs frei von kapitalistischen Tendenzen. Die Motive der Vereinigten Staaten sind sehr gemischt: Einerseits Gier nach Geld oder etwas Gleichwertigem (z.B. Öl), andererseits wirklich redliche Absichten, die menschliche Freiheit in einer demokratischen Welt (natürlich nach amerikanischem Muster) fest zu begründen. Einerseits schätzen sie die bewaffnete Faust, andererseits möchten sie auch andere [639] am wirtschaftlichen Wohlstand teilhaben lassen; und sie sehnen sich nach echter, von Herzen kommender Freundlichkeit, denn das ist ein ganz charakteristisches Wesensmerkmal der Amerikaner. Diese gemischten Motive werden schliesslich eine sehr verworrene Welt hervorbringen, in der (wie sich herausstellen wird) die Menschheit aus dem Weltkrieg 1914-1945 nur wenig gelernt hat und sich mit der Periode wohlmeinender Geldherrschaft abfindet.

4. Eine geteilte Welt, in der sich «Blöcke» zu gegenseitiger Hilfe und wirtschaftlicher Zusammenarbeit gebildet haben. Ein Beispiel dafür ist der Plan, Grossbritannien, Frankreich und die Benelux-Staaten in eine Gemeinschaft zu bringen; es ist ein Versuch, dessen Motive vom Standpunkt der Hierarchie nicht ganz einwandfrei sind. Furcht ist der bestimmende Faktor für das Zustandekommen dieses Vertrages, der dennoch einen hoffnungsvollen Keim in sich trägt. Im Grunde genommen ist es nichts Unrechtes, wenn sich eine Gruppe von Nationen zusammenschliesst, um einander zu helfen und auf wirtschaftlichem Gebiet zusammenzuarbeiten. Falsch oder unrecht aber wird ein solcher Zusammenschluss dann, wenn er sich gegen eine andere Gruppe von Nationen richtet. Gerade diese, von Russland gesteuerte und geförderte Einstellung hat zu dem relativ neuen Begriff «Gegen-Blocks» geführt. Aus solchen gegensätzlichen Gruppierungen kann nur Unheil erwachsen.

Blocks oder Zusammenschlüsse können an sich gut und recht sein, wenn es sich um natürliche Scheidelinien handelt, also z.B. um Sprachgrenzen oder verschiedene Kulturbereiche. Sie können ihrem Wesen nach richtig sein, wenn sie zu dem Zweck gebildet wurden, um wirtschaftliche, erzieherische, religiöse und soziale Ziele anzustreben; sie können daher keinen wirklichen Anlass zur Beunruhigung geben. Solche Zusammenschlüsse hätten kulturelle und wirtschaftliche, aber keine militärischen oder habgierigen Tendenzen; sie könnten der Ausgangspunkt zu einem normalen Fortschritt sein, der vom separatistischen Nationalismus der Vergangenheit hinweg in eine noch ferne Zukunft führt, zur Schaffung der einen Welt und der einen Menschheit. Dazu wird es eines Tages kommen, aber die Zeit ist noch nicht reif dafür. Die Menschheit ist für eine Weltregierung noch nicht vorbereit