VON DER AUFOPFERUNG ZUR FREUDE

In einem Brief an die Korinther ermahnt der heilige Paulus dazu, sich als Diener Gottes, „als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben" zu erweisen.”1 Während diese Worte nachhallen und uns mit ihrer Kraft erfüllen - die auch nach zwei Jahrtausenden noch vorhanden ist -, verstehen wir die Aufforderung, über vorübergehende Erfahrungen von Kummer oder Mangel hinwegzusehen und sich nur von dem leiten zu lassen, was wirklich und ewig ist: von der Gnade Gottes.

Wenn wir uns durch die vielen Bedeutungsschichten dieser Worte bewegen und zur vielleicht tiefsten gelangen, sehen wir uns mehr als einer Ermahnung gegenüber; wir sehen uns einem Opfer gegenüber. Opfer - vom lateinischen Sacrificium, heilig machen; historisch gesehen ein religiöses Ritual zur Sühne oder Wiedergutmachung; in moderneren, säkularen Begriffen: unsere Zeit und Energie oder unseren Besitz für jemand anderen oder für eine Sache opfern. In einer noch tieferen Bedeutungsebene: das Loslassen von persönlichen Bindungen und die Hingabe an das Licht der Seele; das Aufgeben unseres falschen Gefühls, eine getrennte Einheit zu sein, und das Annehmen der Realität, ein kleiner Teil des größeren Ganzen zu sein.

Die tägliche Praxis der Dreiecke ist eine wunderbare Gelegenheit, dieses tägliche Opfer zu bringen - diesen heiligen Akt. Die Ausrichtung auf das göttliche Dreieck - die Quelle von Kraft, Licht und Liebe - ermöglicht die Loslösung von Persönlichkeitsverzerrungen, Trennungsempfindungen und Polaritäten. Dies ist kein gewöhnlicher Akt des Aufgebens. Es ist ein freiwilliger Akt der Hingabe. Wir können uns dann mit unserer tiefsten Natur als wesentliche Teile des Lichts, der Liebe und des Opferfeuers des Göttlichen identifizieren; wir stehen dann in wahrer Demut, umarmen unsere Kleinheit und nehmen die Verantwortung für unsere Größe an. Denn wir sind Verteilungspunkte für dieses Licht, die Liebe und das Feuer, damit die gesamte Menschheit es empfangen und zu ihrer wahren Identität erwachen kann. Auf diese Weise „haben wir nichts“, keine Anhaftungen an die Persönlichkeit, und „haben“ am Ende doch „Alles“: Göttliches Licht, Liebe und Macht. Und so machen wir „viele reich“.

Die Dreiecksbeziehung ist eine tägliche Praxis der Identifikation mit der Seele, der Verschmelzung mit der Gruppe und der Einheit mit dem Ganzen - in der Tat ein heiliger Akt. Wenn wir in der Lage sind, ein kleines Samenkorn dieser Erfahrung in unsere täglichen Aktivitäten und unseren Dienst mitzunehmen und es dort gedeihen zu lassen, wird unser ganzes Leben zu einem heiligen Akt, der die Gruppe nährt und von ihr genährt wird, gehalten von der integrativen Kraft des Ganzen.

Das Göttliche Dreieck versucht, sich durch die Opfer, die wir bringen, zu erweitern. Dann wird der Weg des Opfers zum Weg der Freude. „Der Weg der Freude führt zum Ort des Friedens. Den Frieden Gottes findet man nur, wenn man sich selbst aus den Augen verliert und nichts anderes mehr sieht als das, was heute getan werden muss.“2

1 Die Bibel, Korinther 2, 6: 10 (Lutherübersetzung)
2 Jüngerschaft im Neuen Zeitalter, Band I, A.A. Bailey S. 365-6, engl.