DIE BRÜCKE DER GEDANKEN
In Übereinstimmung mit den geistigen Lehren erkennen wir alle Dinge dieser Welt als Spiegelbilder verborgener innerer Vorgänge. In vergangenen Jahrhunderten bestanden Brücken in der äußeren Welt aus Baumstämmen, Seilen oder massiven Betonkonstruktionen. Heute verfügen wir über Hochgeschwindigkeitszüge, die Gebirgspässe überwinden, und Kommunikationstechnologie, die uns mit Menschen an Orten auf der anderen Seite der Erde direkt verbinden kann. Diese äußeren Manifestationen entsprechen der Brückenarbeit, die im Bewusstsein stattfindet, lassen die Realität Gestalt annehmen und verwischen die Grenzen zwischen den Welten.
Früher war das Überbrücken von Bewusstseinsgrenzen nur wenigen vorbehalten, während die Massen in Unwissenheit zurückblieben und nicht einmal Zugang zu den Grundlagen der Bildung hatten. Heute haben Menschen überall Zugang zu Bildungseinrichtungen, und dank der Technologie können viele mit nur einem Fingertipp auf einen Bildschirm auf die enormen Wissensschätze der Menschheit zugreifen, die durch das niedere Denkvermögen erworben wurden. Auf dieser Grundlage bietet sich der Menschheit die Möglichkeit, die Kraft des Denkens dahin zu entwickeln, dass sie in die inneren geistigen Bereiche vordringen kann, in die keine Maschine vorzudringen vermag. Natürlich bringen alle Möglichkeiten Herausforderungen mit sich und stehen im Widerspruch zu früheren Trends. Die Verlockung der Technologie könnte leicht dazu führen, dass die Menschheit träge wird und in der gedankenlosen Verblendung durch Nebensächlichkeiten stecken bleibt und so den enormen Vorrat an Licht und gutem Willen verspielt, den die Mobilisierung des menschlichen Denkens bereitstellen kann.
Die Mysterien Traditionen aller Zeiten haben die Symbolik der Brücke als Mittel zur Erleuchtung genutzt. Der Buddha verglich seine Lehre mit einer Brücke oder einem Floß, das es den Schülern ermöglichte, vom Ufer dieser äußeren Welt zum inneren Ufer überzusetzen – eine Brücke, die man hinter sich lassen muss, sobald man das Ufer erreicht hat. Patanjali lehrte, dass wir durch den Rückzug der Sinne jene „heilige Brücke“ erschaffen können, die uns mit der Quelle verbindet. In ihrer Arbeit mit der Esoterischen Sektion der Theosophischen Gesellschaft brachte Helena Blavatsky die alte Lehre von den „Goldenen Stufen“ ans Licht. Diese „Stufen“ bestanden aus Anweisungen aus alten östlichen esoterischen Traditionen, die darauf abzielten, den Schüler Schritt für Schritt darauf vorzubereiten, ein wirksam Dienender zu werden. Die Lehre über die Antahkarana oder das innere Instrument des Lichts, die vor weniger als 80 Jahren übermittelt wurde, bietet die Mittel, mit denen das in den Tiefen des Denkvermögens verborgene Versprechen verwirklicht werden kann. Diejenigen, die im Herzzentrum der neuen Gruppe der Weltdiener stehen, nutzen gemeinsam diese Brücke, um Beziehungslinien zu knüpfen – Brücken nach oben, nach unten und rundherum, um die Erde zu umrunden. Im Zentrum dieser Brückenarbeit steht das Netzwerk der Dreiecke.
Wir müssen uns von vornherein auf die Einsicht beschränken, dass der einzige Weg, auf dem wir den Schlüssel zu [bestimmten esoterischen Mysterien] finden können, das Studium der Gesetze von den analogen Zusammenhängen ist. Dies ist der einzige Leitfaden durch die Windungen des Labyrinthes, der einzige Lichtstrahl in der Finsternis der Unwissenheit. H. P. Blavatsky sagt in der Geheimlehre dasselbe; aber bislang haben die Schüler wenig getan, um sich diese Anleitung zunutze zu machen. Beim Studium der Gesetze der analogen Zusammenhänge müssen wir beachten, dass die Analogie im Wesentlichen innen liegt, nicht in der exoterischen Herausarbeitung von Einzelheiten, wie wir sie uns von unserem derzeitigen Standpunkt aus vorstellen. Da nämlich führt uns die „Zeit“ irre. Wenn wir den Begriff „Zeit“ und die zeitliche Begrenzung anwenden, verfallen wir in Irrtümer. Alles, was sich in Entwicklung befindet, ist in einem ständigen Prozess von Überlagerung und Durchdringung, in einem dauernden Ineinandergreifen und Ineinander-Aufgehen. Nur breiteste Verallgemeinerungen und ein Erkennen der Grundbegriffe der Analogie sind dem Durchschnittsschüler möglich. Wenn er versucht, sich mit Einzelheiten zu befassen, betritt er Gebiete, auf denen er sich verirrt und er gerät in Nebel, die ihn am Ende verschlucken.
Initiation, Menschliche und Solare Einweihung, A. Bailey S.6-7, engl.