FREIHEIT DURCH VERGEBUNG

Wir verwenden den Begriff „Vergebung“, um uns auf eine Haltung zu beziehen, in der wir Versöhnung sowohl für die kleinen als auch für die großen Fehler und Kränkungen, die so sehr zum Alltag gehören, finden können. Dies ermöglicht es uns nicht nur, denen, die uns Unrecht getan haben, Wohlwollen und Mitgefühl entgegenzubringen, sondern versetzt uns letztendlich auch in die Lage, unsere eigenen Verfehlungen aufzuarbeiten. Eine wohlwollende Haltung ist natürlich ebenso lobenswert wie notwendig, und das Leben gewinnt erheblich an Qualität, wenn diese Haltung von ganzem Herzen gelebt wird. In einer solchen Haltung liegt die Anerkennung der menschlichen Fehlbarkeit sowie ein stärkeres Freisein von Vorurteilen und Groll. Es liegt auf der Hand, dass der Prozess der Vergebung – je nach Schwere des erlittenen Leids – nur dann stattfinden kann, wenn wir dafür bereit sind. Wenn die Menschheit höhere Bewusstseinszustände erreicht, wird die Fähigkeit zur Vergebung „zum Atem des Lebens selbst – zum Geben von allem an alle und für alle“1.

Dieses Verständnis von Vergebung ist tief in der Menschheit verwurzelt und wird durch die spirituellen Lehren vieler religiöser und kultureller Traditionen sorgfältig bewahrt. Wir können diesen Gedanken jedoch nach oben hin auf das Wirken des göttlichen Denkvermögens und auf eine höhere und noch tiefere Bedeutung des Wortes ausweiten, nämlich „für etwas geben“ – Ver-gebung (for-giveness). Das kann ein zweckgerichtetes Geben sein, ohne dafür eine Belohnung zu erwarten. Noch wichtiger ist, dass es sich auf einen Akt der Aufopferung beziehen kann: Es geht darum, sich selbst für andere hinzugeben, um des kollektiven Lebens willen, und dies zu einem heiligen Akt zu machen. Dieses Geben ist kein Verlust, sondern ein Gewinn, und es steht im Einklang mit der tiefen Bedeutung des Wortes Opfer, nämlich „heilig machen“ (vom lateinischen sacrificium, „heilig machen“). In diesem Licht betrachtet war die Tatsache, dass die Gottheit selbst nach Manifestation in der Materie strebte und dabei ihre einzigartige Natur und Identität aufgab, der höchste Akt der Ver-gebung und des Opfers, den wir uns vorstellen können. Aufgrund dieses Aktes ist Ver-gebung einer der wichtigsten Grundimpulse des Lebens auf der Erde geblieben.

In unseren Dreiecken streben wir danach, zu Empfangs- und Verteilungsstellen zu werden – für das Licht, die Liebe und die Kraft, die aus der göttlichen Quelle strömen. Indem wir ein Dreieck bilden, bekräftigen wir unsere Bereitschaft, unsere individuelle Identität mit der unserer Partner zu verschmelzen, und durch diesen einbeziehenden Akt stärken wir die grundlegendste aller heiligen geometrischen Figuren, durch die diese höheren Energien zirkulieren können. Auf diese Weise steht die Menschheit in direktem Kontakt mit heilenden Kräften. Indem wir das Gefühl unserer individuellen Identität opfern, um uns unseren individuellen Dreiecken anzuschließen, und diesen Schritt weiterführen, um mit dem Netzwerk der Dreiecke zu verschmelzen, werden wir zu einem Spiegelbild der göttlichen Ver-gebung und verankern diesen Impuls so noch tiefer auf der Erde, in den menschlichen Denkvermögen und in den menschlichen Herzen.

Und genau hier, in dieser tiefen Verschmelzung, finden wir die Freiheit, wir selbst zu sein. Diese größere Freiheit vom Joch der materiellen Beschränkungen stärkt den Fluss geistiger Energien noch zusätzlich. Wie oben, so unten. Als bewusste Menschen und Dreieckswirkende genießen wir das Privileg zu wissen, dass wir am fortwährenden Fluss der Ver-gebung teilhaben können.

1. Erziehung im Neuen Zeitalter, A.Bailey S.129 engl.