Vom Unwirklichen zum Wirklichen

Es scheint, dass die Menschen ein Maximum an Identifikation mit ihren Ausdrucksträgern erreicht haben, und in vielen Leben konzentrieren sie sich auf die Dinge, die sie umgeben. Für viele ist die Realität das, was mit den Sinnen wahrgenommen wird, das, was man sehen, messen und anfassen kann. In diesem Bewusstseinszustand nehmen wir zunächst die Erfahrungen wahr, die uns Freude oder Unbehagen bereiten, und reagieren dann auf diese. Diese wiederum erzeugen durch ihre Anziehung oder Abstoßung Formen der Anhaftung; der Buddha lehrte, dass sowohl diese Begehrlichkeiten als auch die Abneigungen Hindernisse auf dem Weg zur Befreiung vom Leiden sind. Aufgrund dieses unersättlichen Strebens nach individualistischem Vergnügen und des Vergessens des Gemeinwohls hat das Leben auf der Grundlage materieller Befriedigung zu den akuten Krisen geführt, die wir heute erleben.

In dieser materialistischen Zivilisation werden viele von einer tiefen Leere heimgesucht und empfinden das Leben als sinnlos. In diesem vakuumartigen Zustand herrscht unermessliches Leid, aber als Kontrast zu dieser Negativität kann eine sehr positive Veränderung entstehen. Denn hier kann sich die Seele bemerkbar machen, und so beginnt ein Weg der Reflexion, der die Suche nach der Welt der Bedeutung intensiviert. Die Folge ist, dass das äußere Geschehen nicht mehr ausschließlich im Fokus des Bewusstseins steht und bewusst nach dem gesucht wird, was hinter diesen Sinneserfahrungen liegt. Dies führt dazu, dass wir eine größere Tiefe und einen größeren geistigen Wert in Erfahrungen finden, mehr Erkenntnis gewinnen und uns mehr auf die Welt der Bedeutung konzentrieren. Es ermöglicht auch den Zugang zu der Liebe und der Weisheit der Seele, die den materiellen und den geistigen Bereich miteinander verbindet. Dadurch wird der Einzelne auf kraftvolle Weise mit immer höheren Aspekten des geistigen Lebens in Verbindung gebracht. Vielleicht heißt es deshalb, die Bedeutung sei das „Vorzimmer der Befreiung“ - durch ihre Erforschung erkennen wir die Einheit des Lebens und erkennen, dass der Weg, den wir jetzt gehen, uns vom Individuellen zum Universellen führt.

Eines der erklärten Ziele der geistigen Lehren ist es, „die Welt der Phänomene in den Hintergrund des Bewusstseins treten zu lassen, während die Welt der Bedeutung lebendiger und realer wird“.1 Diese Suche zwingt uns, uns nach dem Zweck all unserer Erfahrungen zu fragen und die Bedeutung hinter den uns umgebenden Ereignissen zu ergründen. Diese Praxis führt dazu, dass wir die signifikanten Einflüsse, die unsere Umwelt bestimmen, erkennen und sie nicht als Fakten und Umstände, sondern als Manifestationen subtiler Energien wahrnehmen.

Wenn wir lernen, die äußeren Ereignisse zu durchdringen, um ihre Bedeutung zu entdecken, können wir Licht in eine verborgene Welt bringen, um den Erlösungsprozess zu unterstützen. Die physische Welt ist ein Symbol für das, was in den inneren Welten geschieht, die wir so genau wie möglich beobachten müssen. Das Studium der Welt der Bedeutung öffnet schließlich das Tor, das zum Leben als Energie selbst führt. Der Gruppendienst der Dreiecke trägt mit dem Licht und dem guten Willen, den er hervorruft, zum Erlösungsprozess bei und unterstützt diejenigen, die die Welt der Bedeutung suchen und in ihr arbeiten.
1.Jüngerschaft im Neuen Zeitalter, Band II, S. 141, engl.