MEHR LICHT
„Licht, mehr Licht“ – das sollen Goethes letzte Worte auf seinem Sterbebett gewesen sein. Ging es dabei um so etwas Banales wie den Wunsch, dass die Vorhänge aufgezogen werden? Oder lag es eher daran, dass er auf das inzwischen bekannte und gut untersuchte Phänomen der Nahtoderfahrung reagierte, bei der ein Sterbender durch einen Tunnel zu einem Wesen des reinsten Lichts reist? Was auch immer es war, es zeigt die zentrale Bedeutung und den Halt, den das Licht für uns hat.
Unser menschliches Leben ist geprägt von einem überwältigenden Verlangen nach Licht und gleichzeitig einem allmählichen Wachstum der Qualität und der Intensität des Lichts, das unser Wesen belebt. In der dichten physischen Welt können wir dieses instinktive Streben nach dem Licht sehr schön symbolisiert im Pflanzenreich sehen. Samen keimen in der reinen Dunkelheit der Erde, reagieren auf die Schwerkraft und treiben Wurzeln in die Erde; gleichzeitig drücken sie ihre jungen Triebe durch die widerstrebende Erde nach oben in die freie Luft, wo das Sonnenlicht der Pflanze die notwendige Energie für ihr Wachstum verleiht. Es drängt sich das Gleichnis auf, dass die Schwerkraft eine gespannte Bogensehne darstellt, die den – nach oben gerichteten – Pfeil der Pflanze zu ihrer Quelle freigibt.
In der Welt der Emotionen können wir sehen, wie das Licht dieses Bereichs durch die dunklen Farben des niederen Verlangens und der Selbstsucht getrübt wird. Doch in dem Maße, wie wir von unseren Begierden erlöst werden, wird das Licht dieser Dimension rein und strahlend und reflektiert immer mehr den Glanz der erleuchteten buddhischen Natur der Liebe-Weisheit. In der Welt des Intellekts ist das Licht eng mit dem Wissen verbunden. Wenn wir ein neues Konzept erfassen oder beginnen, etwas zu verstehen, sagen wir: `Oh, ich sehe!´ Dies ist nicht nur eine alltägliche Redewendung, sondern eine Aussage über eine tatsächliche Erfahrung und ein Wegweiser zu der Wahrheit, dass alles Licht ist.
Die Welt der Seele ist eine Welt, in der das Licht die Oberhand hat. Als Arjuna in der Bhagavad Gita Krishna, die Verkörperung der Seele, bittet, sich so zu offenbaren, wie er wirklich ist, ruft die Offenbarung, die er erhält, diese wundersamen Worte hervor: „Ah, Heller als Tausend Sonnen!“ Die gleiche Reaktion kam von Oppenheimer beim Anblick der ersten Atomexplosion 1945, als die freigesetzte Seele des Atoms für einen Moment alles andere Licht in den Schatten stellte und der Menschheit die Macht über Tod oder Erlösung über die physische Welt gab. Es ist kaum nötig, darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Krise handelt, die die Menschheit noch nicht endgültig und unwiderruflich auf der Seite der Hierarchie des Lichts, deren Arbeit so sehr auf den Willen zum Guten ausgerichtet ist, gelöst hat. Deren Ausdruck auf der physischen Ebene, ein dynamischer und praktischer guter Wille, wird eines Tages für alle Menschen überall auf der Welt gleichermaßen gelten.
In unserer täglichen Arbeit mit den Dreiecken stellen wir uns vor, dass das weltweite Netzwerk zunehmend vom Licht der Seele belebt wird, wodurch die gesamte äußere Dienstarbeit der Menschheit untermauert und unterstützt wird, während sie gegen enorme Widerstände darum kämpft, diese festen und sicheren Schritte in eine Zukunft der erleuchteten und aufrechten menschlichen Beziehungen zu machen.